Kontakt:

 

 

Ulrich Wehpke GmbH

Von-Ketteler-Str. 124

 

47807 Krefeld

 

Tel.: 02151 - 312200

email: info@wehpke.de


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In Ullis Kräklstunde finden Sie immer wieder interessante Geschichten zum schmunzeln und nachdenken.

Ein Blick hinter die Kulissen

Von draußen sieht Sie eigentlich enttäuschend aus. Ich hatte mir vorgenommen einmal eine richtige Goldschmiede zu besuchen, und nun stehe ich vor dem Haus - und: nichts. Ein einfaches Schild an der Wand: Ulrich Wehpke, Goldschmiedemeister, Von-Ketteler-Straße, Hausnummer 124, ein leerer Schaukasten, sonst nichts. Aber nun bin ich schon einmal da, und aufgeben will ich auch nicht. Also wird geklingelt, auf dem Schild steht Büro. Tatsächlich knackt es nach ein paar Sekunden irgendwo in der Tür und aus der Sprechanlage kommt ein Summton. Die Tür läßt sich öffnen, und ich blicke in einen kleinen, hellen, schmucklosen Flur. Rechts zwei Fahrräder, links eine Metalltür, ein Aufkleber mit der Aufschrift: Dieser Betrieb bildet aus. Das scheint dann also doch die richtige Adresse zu sein, und ich öffne die Tür mit dem Aufkleber. Nun, was sich mir auftut ist eigentlich nichts Besonderes. Ein paar Bildschirme, eine Wand mit Aktenordnern, Schreibtische, Schränke, Kaffeegeruch, ein ganz normales Büro. Etwas eng vielleicht für die Menge der dort untergebrachten Dinge. Ein junger Mann, schlank, schlaksig, Kurzhaar, begrüßt mich freundlich. Ich hatte ihn erst gar nicht gesehen, auf einmal stand er vor mir. Zum Chef wollen Sie, ach, die Fischelner Woche, ja, von Ihnen hat er gesprochen, einen Moment bitte, ich geh` ihn holen. Und weg ist er. Nebenan klappert irgend ein Gerät gleichmäßig vor sich hin und im Hintergrund kommt eine Maschine lautstark auf Touren. Und nun kommt er, der Chef. Raumfüllend schiebt er sich durch die Tür, wuchtet seine mindestens zweieinhalb Zentner um einen Schreibtisch und steht nun freundlich grinsend vor mir: „Mojn, hab schon auf sie gewartet“, tönt es. Dabei schüttelt er mit Schraubstockgriff meine Hand: „Einen Kaffee? Sie können haben: Marke Herztod aus der Espressomaschine, oder auch ganz Normalen, den trinken unsere Damen. Milch gibt`s auch“. Als ich nicht sofort antworte, meint er: “Sie können aber auch schwarzen Tee haben, ist bei uns immer fertig“. Ich verkneife mir die Frage nach dessen Gefährlichkeit und nehme statt dessen einen Kaffee mit etwas Milch. Ein Telefon klingelt und so habe ich die Gelegenheit mich etwas umzuschauen. Irgendwie will mir nicht in den Kopf, daß diese ungeschlachtete Erscheinung, daß dieser Mann mit den Armen und Händen eines Holzfällers, der so ganz und gar nichts Künstlerisches ausstrahlt, sondern viel eher den Eindruck eines Hufschmiedes, eines Berufsringers oder eines Bauarbeiters macht, daß er mit diesen Händen - : „So, ich bin gespannt wann das Ding das nächste Mal klingelt“, reißt er mich aus meinen Gedanken und in Richtung der soeben verstummten Maschine ruft er: “Heike, ich bin jetzt nicht mehr da, ja?“ „Aye, aye Sir“ tönt es munter zurück. „So“ meint er, „jetzt hab ich erst mal Ruhe, Heike, also das ist Frau Schmitz, sie hält mir den Rücken frei. Ist die Chefin hier vorne, macht Termine, kennt alle Kunden, macht den Versand, ist unsere Fachfrau für alles was vor und nach der Werkstatt kommt, und das ist eine ganze Menge. Ohne diese Frau bin ich tot, das ist jedes Mal eine Katastrophe, wenn sie Urlaub macht“. Ein sorgenvoller Blick huscht zum Kalender, das nächste Mal kommt ganz bestimmt! „Sehen sie“ sagt er weiter, „wir sind hier noch ein richtiger Handwerksbetrieb. Wir haben keinem Laden und sind keine Händler, sondern leben noch ganz von der Werkstattarbeit. In unserem Betrieb arbeiten zur Zeit 12 Leute, alle fest. Dazu kommen dann noch zwei Aushilfen und eine Mitarbeiterin die zur Zeit Babyurlaub macht. Wir haben momentan zwei Lehrlinge, und in ungefähr vier Wochen werden 2 meiner Mitarbeiter den letzten Teil der Meisterprüfung ablegen, ebenfalls so erfolgreich wie die anderen Teile vorher schon. Hoffe ich,“ fügt er hinzu. „Damit hätten dann in diesem Jahr drei unserer jungen Leute, alles Eigengewächse, die Meisterprüfung im Goldschmiedehandwerk abgelegt“ fügt er mit sichtlichem Stolz hinzu. „ Eine unserer jungen Damen, hat hier ebenfalls die Lehre gemacht, hat die Prüfung aber an einer Fachschule abgelegt, die anderen beiden machen das neben dem Beruf. `Ne harte Sache, so was. Wissen sie, gute Leute sind einfach alles. Sie sind mein Kapital, ohne meine Leute bin ich nichts, gar nichts, und für die tue ich alles, sind mit das Wichtigste auf der Welt für mich. Ich kann gar nicht verstehen, was woanders so abgeht. Ich meine damit Entlassungen, Streik und so, oder der Ärger mit den Überstunden. Unsere, die muß man förmlich aus dem Bau prügeln, so als ob die kein Zuhause hätten. Die sind auch meist schon lange bei uns, 31 Jahre die Älteste, 28, 15,12,10, beinahe sichere Dauerarbeitsplätze, nicht war?“ er grinst mich an. Ich bin erschlagen. „Sagen sie, eines verstehe ich nicht“ wende ich mich an ihn, „wo hier doch viele Leute arbeiten, wie können sie mit ihrer Firma hier existieren, hier am Stadtrand, ohne jeden Publikumsverkehr, da braucht es doch eine Menge Aufträge, denn die wollen doch alle bezahlt werden, gar nicht zu reden von all dem anderen?“ „Wissen sie“, nun lächelt er wieder, Qualität hat eben ihren Namen, muß ich ihn erst nennen? Unsere Kunden haben wir in ganz Deutschland und in vielen europäischen Ländern. Wir machen nämlich auch Dinge und Arbeiten, für die es nur sehr wenige, oder keine anderen Anbieter gibt. Aber“, nun wendet er sich in Richtung der Tür: “schauen sie doch selbst, wie unser Betrieb aussieht, keine Angst, kommen sie ruhig herein, in unsere Hexenküche!“ Wir betreten einen kleinen Durchgang. Hier ist der letzte Zentimeter genutzt. Kleberollen, Verpackungen, stapelweise Paketaufkleber, Packpapier, Messer, Scheren, Klebstoff - ein Tohuwabohu. Direkt dahinter summt und zwitschert es. „Das ist ein Ultraschall-Waschgerät, darin werden die verschmutzten Schmuckstücke gereinigt.“ Das Wasser in dem Gerät ist kohlrabenschwarz. Kaum zu glauben, aber Schmuck hat wohl auch etwas mit Schmutz zu tun. Ins Auge fällt mir eine sich drehende Trommel, in welcher irgend ein körniger Sand perlt, ganz so, wie in einem Zementmischer. Darüber hängt ein kräftiger Strahler, der eine Menge Wärme von sich gibt. „In dieser Trommel werden die glänzenden, gereinigten Schmuckstücke völlig fleckenfrei getrocknet. Früher machte man das mit FCKW, da wurde das leichtere Wasser verdrängt und das FCKW anschließend verdampft, aber ich habe immer die ökologisch einwandfreie Methode bevorzugt. Wäre auch zu teuer gewesen. Sehen sie, die Körner, das ist Mais- Granulat. Dieses Material hat eine unglaubliche Affinität zu Wasser. Die hier in der Trommel befindlichen drei oder vier Hände voll, können leicht einen halben Liter Wasser aufnehmen ohne daß die Trocknungseigenschaften dadurch verloren gehen“. Auf mein ungläubiges Gesicht hin, gießt er ein großes Glas Wasser in die Trommel. Sofort riecht es nach „Maizena“. Tatsächlich, Maisgeruch. Er rührt drei, vier Mal um und nun passiert etwas seltsames, das Körnermaterial wird immer mehr, fast fällt es schon aus der Trommel heraus. „ Das ist so, das Zeug wird einfach immer dicker durch das Wasser, trocknet aber genau so gut wie vorher“. Wir gehen weiter. Zentrifugen, Transformatoren, ein Dampfkessel, eine rhythmisch klappernde Trommel, 2 große, grüne Poliermotoren - voll mit schwarzem Polierdreck, an einem der Motoren eine junge Frau. Sie dreht sich um, ein freundliches Lächeln huscht über ihr Gesicht, sie hat rabenschwarze Finger, in einer Ecke ein Fliehkraftschleifgerät, Magnetpolierer, Hand-u. Elektrowalze, Tresore, eine Toilette für Herren, endlich dann: Die Werkstatt! Heiland, wie sieht es hier aus! Dieser Raum hat etwas von einer Alchemistenhöhle, hier gibt es einfach alles, und das auf engstem Raum. Das Einzige was es anscheinen nicht gibt, ist ein freies Fleckchen. An zwei großen, merkwürdig geformten Tischen mit Schubladenunterbauten, sitzen Leute. Mein Blick fällt auf eine ein klein wenig füllige Blondine: „ Was machen Sie denn da Schönes?“ will ich wissen, aber ich werde keines Blickes gewürdigt und bekomme auch keine Antwort. Merkwürdig, eben schien mir hier noch ein ganz lockeres, fröhliches, ja familiäres Klima zu herrschen, und nun dies! „ Sie kann sie nicht hören“ löst Herr Wehpke die aufsteigende Spannung in mir auf, „wir beschäftigen auch Behinderte, und Frau Rosenstein ist gehörlos“, und er fügt hinzu: “Wir sind halt ein buntes Völkchen, Einer hört nichts, der Andere hat Übergewicht. Aber im Ernst, wir beschäftigen nach Möglichkeit immer auch behinderte Mitarbeiter. Das sind genau so gute Fachleute, wie die anderen. Auch Ausländer hatten wir schon viele, aus Afghanistan, Polen, Russland, dem damaligen Jugoslavien, Irland, aus der Türkei, Ukraine, was weiß ich noch von wo überall her. Ich hab die Firma vor über 30 Jahren gegründet, da vergißt man schon mal was. Ich schaue einer anderen jungen Dame über die Schulter. Der Arbeitstisch, eine halbkreisförmig ausgeschnittene dicke Platte, hat unter der Aussparung eine große Lederschürze. Aha, denke ich, Gold ist ein teures Material, und so fällt nichts „unter den Tisch“ sondern es landet im Leder. Eigentlich logisch, oder? „Recycling“, so klärt mich mein Gastgeber auf, „ist überhaupt kein Thema für Goldschmiede, sondern vielmehr ein Teil ihres Selbstverständnisses. Die haben es nämlich erfunden. Nur das neumodische Wort Recycling, das ist von Anderen! Wissen sie, weggeworfen wird immer nur das was billig ist, alles andere hebt man auf. Wären manche Rohstoffe etwas teurer, hätten wir viel weniger Müllsorgen. Ein Goldschmied sammelt seine Abfälle, er sammelt den Kehricht, und er filtert sogar das Waschwasser noch aus. Ganz selbstverständlich für uns und außerdem gut für die Umwelt. Überhaupt kommt der ganze Dreck in der Welt nur von der Industrie. Alles wird verpulvert, als Billigware verramscht und anschließend weggeworfen. Und wenn es nicht mehr so richtig läuft, werden die Leute entlassen und man wendet sich profitableren Unternehmungen zu!“ Er hat sich richtig in Rage geredet und seine Augen blitzen vor Zorn. Ein Handwerker von der alten Sorte, denke ich, einer der nie begreifen wird, daß die Zeit sich ändert, ändern muß. Aber das war doch etwas vorschnell, wie sich zeigen sollte. Aus dem Arbeitstisch, ragt aus der Mitte ein Brettchen hervor, an welchem die meisten Arbeiten durchgeführt werden. Dieses Brettchen, eine Art kleiner Tisch, dient als Anlegepunkt für Feilarbeiten, als Unterlage für Sägearbeiten mit der Laubsäge, es ist der feste Punkt beim Fräsen, Bohren, Biegen Löten, Schweißen, beim Schleifen, beim Schmirgeln, und, und und... Vor der Goldschmiedin liegt die größte und schönste Perle, die ich jemals gesehen habe und ein sogenannter Boulder-Opal, sowie einige kleinere und größere Brillanten. Sie sind sicher in einer flachen Blechwanne verankert, die mit klebrigem Wachs ausgegossen ist. So können die wertvollen Stücke nicht verloren gehen. „ Das wird eine ganze Garnitur für eine Kundin aus dem Norddeutschen Raum“, erklärt mir der Hausherr,“ die Teile sollen zueinander passen, also zusammen harmonisch tragbar sein, aber sie sollen nicht etwa gleich aussehen, also die Perle als Ring, die Perle als Anhänger und Perlen als Ohrringe. Hier sollen aus unterschiedlichen Materialien, zueinander passende Teile geschaffen werden, eine reizvolle Aufgabe für jeden Gestalter.“ Vor einem jungen Mann, einem der zukünftigen Meister, liegen zwei fast fertige Trauringe. Schon jetzt ist zu erkennen, eine ungewöhnliche Arbeit! Ein ganz schlichter Ring, im Querschnitt quadratisch, ist an einer Stelle um ein Viertel verdreht und verläuft von dort an wieder als quadratisches Material weiter. Verfolgt man nun eine der umlaufenden Flächen, ist man beim Abschluß er ersten Umrundung auf der Nachbarfläche derjenigen angelangt, von der man ausgegangen war und so fort. Eine Reise in die Unendlichkeit, wirklich ein tolles Symbol für Eheringe! „Trauringe machen wir sehr viele“, höre ich den Chef sagen, “aber fast kein Paar wiederholt sich. Bei uns bekommen die Brautleute zunächst einen oder mehrere Entwürfe, dann erarbeiten wir zusammen ein Konzept. Als nächstes wird ein Modell gefertigt, meist aus Silber oder auch Kunststoff, und an diesem kann man dann die genaue Form festlegen. Erst dann beginnen wir die eigentliche Arbeit aus teurem Edelmetall. Während der ganzen Zeit hat das Brautpaar die Möglichkeit zur Einwirkung und Einflußnahme. Manchmal war das auch ganz lustig. Einmal haben wir tatsächlich eine Arbeit vollkommen umgekrempelt und ein völlig neues Modell gemacht. Diese Leute waren wirklich sehr unentschlossen. Aber der Erfolg gibt uns recht, nun sind über fünf Jahre vergangen und sie sind immer noch glücklich verheiratet! Auch die Ringe gefallen noch wie am ersten Tag“ schmunzelt er, „es war halt etwas teurer, aber das hat nicht weiter gestört. Bei uns bekommt eben jeder das, was er möchte und mancher sogar das, wovon er geträumt hat.“ Ein Niesreiz überkommt ihn und wird sichtlich stärker. Schließlich gibt er resignierend auf und kapituliert mit beträchtlicher Lautstärke. Nachdem das Tempotuch verstaut ist, fährt er fort:“ Auch für die hiesigen Vereine haben wir richtig tolle Sachen gemacht. Allein hier im Stadtteil Fischeln, werden sie beim Schützensilber zahlreiche Königsorden aus den letzten 25 Jahren finden, die ihnen sofort ins Auge springen. Richtige Handwerksarbeit noch, da haben wir uns natürlich besonders viel Mühe gegeben, denn diese Dinge sind schließlich Kulturgüter und überdauern die Jahrhunderte. Das kleine Silber des Bezirkskönigs, das ist auch von uns gefertigt worden. Genau wie die goldenen Ehrennadeln des VfR- Fischeln, alle von uns gemacht!“ Er wendet sich ab und prüft den Sitz eines großen, grünen Steines in einem Ring. Mein Blick fällt auf eine gedrungene Maschine. Noch bevor ich fragen kann, kommt die Erklärung:“ Das ist eine Gießmaschine, auf der können wir zumindest theoretisch über 20kg Gold auf einmal vergießen. Aber unsere Ofenkapazität reicht nur für etwa 3 1/2 Kilo aus. Wenn man zum Beispiel mit dieser Menge Ringe gießen wollte, könnten wir ca. 350 Ringe auf einmal herstellen. Bei entsprechender Ofenkapazität wäre etwa alle 10 bis 15 Minuten ein Guß möglich“. „Aber das sind ja schon industrielle Größenordnungen“, werfe ich ein. „ Na, ja, wir können, wenn wir wollen. Wissen sie, heute ist das doch so: Unser Konkurrenz ist immer die Industrie, da muß man mithalten können, die Leute kommen mit industriell hergestellten Sachen und wollen etwas repariert haben, oder ändern lassen: Die vorherrschende Mode verlangt nach bestimmten Oberflächen. Oder auch die ganzen high-tec-Materialien, die kann man oft auf traditionelle Weise nicht mehr bearbeiten. Da hilft nichts, da muß man ran, da muß man mit“. Da ist was Wahres dran, denke ich. So ganz stimmt meine erste Einschätzung vom Handwerker von der alten Sorte, der hinter der Zeit herhinkt, wohl doch nicht. Wir gehen in den nächsten Raum, das gleiche Bild. Eigentlich ist das wohl ein Aufenthaltsraum, aber da stehen auf diversen Regalbrettern unzählige Kleinmaschinen, Materialien, Vorräte und dergleichen. Über einem großen Kühlschrank, entdecke ich gar einen Luftkompressor. Ansonsten: Stühle, ein Tisch zum ausziehen, Mikrowelle, Spinde, ein Bild an der Wand, Fachzeitungen, eine angefangene Perlenkette, die auf einen neuen Faden wartet und eine verbeulte echt silberne Teekanne, die auf bessere Tage hofft. Es nimmt kein Ende, noch ein Raum, eigentlich ein Räumchen. Hier herrscht die Neuzeit, hier herrscht das einundzwanzigste Jahrhundert. Mit einem Bick sehe ich, das hier, ist High-Tec pur! Herr Wehpke erklärt:“ Hier vor uns sehen wir vier Laserschweissmaschinen, von denen jede einen eigenen Leistungsbereich abdeckt. Auf der linken Seite, eine Mechanikerdrehbank, daneben steht ein Gerätekühler mit 80 Liter Wasserinhalt zum Kühlen der Induktionsspule der Schmelztiegelheizung des Gerätes daneben“ und damit deutete er auf ein weiteres geheimnisvoll anmutendes Gerät. „Das ist ein weiteres Gußgerät. Darin vergießen wir wahlweise unter Vacuum, Argon, Stickstoff oder Kohlensäure, also unter beliebigen Atmosphähren, alle Schmuckmetalle bis hin zu Platin oder auch Titanium. Genauso gut können wir aber auch Stahl oder andere Werkstoffe vergießen.“ Mir ist nach einem Kaffee. Diesmal nehme ich einen Espresso, Marke Herztod, wie Herr Wehpke so schön sagte. Und ich habe auf einmal so ein Gefühl, so ein Gefühl von Gemeinsamkeit oder so, ich weiß auch nicht so recht. Und dann laufen zwei der jungen Leute scherzend an mir vorbei, ich höre irgend Jemand „Heike“ rufen, registriere unterbewußt „aha, die Frau Schmitz“, höre das ewige Telefonläuten und ich fühle mich eigentlich so recht zu Hause. Eigentlich schade, schießt es mir durch den Kopf, hier hättest du auch arbeiten mögen...

Gedanken

 

Sie ist für mich nicht nur eine wirtschaftliche Notwendigkeit.
Sie ist auch nicht nur ein wichtiger Bereich meines Lebens.
Sie ist mehr, sehr viel mehr. Sie ist eine Berufung, ja eine Leidenschaft.
Und sie ermöglichte es mir stets mich ganz ihr, meinem Hobby zu widmen:
Der Werkstatt.
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Meine größte Triebfeder war immer die Neugier und der Wettbewerb gegen mich selbst.
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Ich liebe mein Werkzeug, denn es ermöglicht mir, damit Dinge zu erschaffen. Geld ist auch eine Art von Werkzeug, jedoch kann man mit ihm nicht direkt etwas vollbringen, sondern nur andere Menschen dazu bewegen etwas zu tun, oder etwas herzugeben.
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Wer Übermäßig hinter dem Geld her ist, der ist entweder sehr ängstlich, oder aber machtbesessen – sehr oft aber auch beides.
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Der wahre Feind der Karriere ist nicht etwa die Dummheit oder die Trägheit des Einzelnen, sondern sein Mitgefühl für den Nächsten.
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Die Dinge müssen nur lange genug durcheinander geschüttelt werden, dann stellt sich zwangsläufig eine gewisse Ordnung ein. Einem Menschen der nicht geschüttelt wurde, geht es genau so.
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Denkt man über die Menschen nach, drängt sich ein wenig schmeichelhafter Vergleich auf, nämlich der mit Gärhefe. Auch die Hefepilze in der Zuckerlösung leben ungebremst drauf los – bis sie verhungern weil sie unkontrolliert alle Nährstoffe verbraucht haben, oder aber, sie sterben deshalb, weil sie ihren Lebensraum durch ihre unkontrolliert abgegebenen Ausscheidungen selber vergiftet haben. Der Unterschied zwischen Hefepilzen und den Menschen ist also gar nicht so groß wie man glauben möchte, obwohl man den Menschen eine gewisse Intelligenz nachsagt.
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Das Dilemma unserer Demokratie, ist dass sie meist vollkommen falsch verstanden wird. Wer Delegierte oder Abgeordnete ohne jede Kontrolle machen lässt was sie wollen, der darf sich nicht wundern, wenn er unsanft aus seiner Bequemlichkeit in die Realität befördert wird.
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Text: Ulrich Wehpke.




Mobil in den Wahnsinn

Erinnerungen an ein Wohnmobil

 
Text: Ulrich Wehpke

Mein Traum ist wahr geworden! Da steht es, stolz, groß und schön. Einen Minicar in der Garage und ein Motorboot huckepack. Eigentlich wollte ich ja ein Moped kaufen, so ein kleines, zum Zusammenklappen für meinen alten treuen Campingbus, denn so ein Wohnmobil ist doch eine ziemlich unbewegliche Angelegenheit wenn man am Urlaubsort erst einmal alles aufgebaut hat. Und zum Fahrradfahren bin ich einfach zu faul. Oben an der Oberbruchstraße hat einer Fahrräder und Mopeds, da hatte eine ältere Honda- Dax gesehen, und die will ich haben. Wolfram ist natürlich sofort hell wach und mit dabei. Welcher richtige Junge mit 17 fährt nicht auf eine Dax ab? Und so machen wir uns auf den Weg. Die 500 Meter gehen wir gleich querfeldein zu Fuß, denn es könnte ja sein, dass wir zu zweit auf einem Moped zurück kommen...

Der Zweiradladen ist weg, anscheinend aufgelöst. Nur ein Schild kündet noch von vergangener Geschäftigkeit: K. W. Zweiradfahrzeuge. Statt dessen steht auf dem dazugehörigen Parkplatz ein riesengroßes Wohnmobil mit einem Schild dran: Zu verkaufen. Und eine lange Liste des Zubehörs. Sie fängt mit A wie Aschenbecher an, eröffnet dem Interessierten beim Buchstaben G dass ein Gasgrill ebenfalls zur Ausrüstung gehört, beim Buchstaben M gibt es gar ein Motorboot mit 20-PS- Motor, und bei S ein Stromaggregat. Die absoluten Knüller aber, sind die Buchstaben K und H: Öffnet man die Heckklappe, überrascht einen tatsächlich ein leibhaftiger Kleinwagen! Und innen erst! Nicht so eine Einrichtung aus Spanplatten vom Baumarkt, nein, hier war ein Fachmann am Werk! Feinste Schreinerarbeit, Eichenholz, Messingbeschläge, gepolsterte und teuer bezogene Sitzbänke, ich sehe Mahagoni und in Wolframs Augen. Dort steht es geschrieben, unmissverständlich: Ebohhahh!!! In der luxuriösen Toilette sehe ich in einen Spiegel, sehe in meine Augen und sehe das Gleiche: Ebohhahh!!! Plötzlich ist auch W. da. Vollkommen unbemerkt muss er uns wohl schon eine ganze Zeit beobachtet haben. Ja, verkaufen muss er sein Herzblut, weil ein böser Nachbar ihn angezeigt hat. Dass er seinen Führerschein verloren hat, daran sei er ja noch selber schuld, aber dass er angezeigt worden ist, nur weil er den Wagen aus der Ausfahrt seines Geschäftsparkplatzes quer über die Straße auf seinen Hof gefahren hätte, weil er dort eine Grube habe und von unten an dem Wagen arbeiten wollte, denn man könne ja so ein Fahrzeug nicht einfach vergammeln lassen, das sei eine abgrundtiefe Gemeinheit gewesen. Den Führerschein könne er nun wohl für etliche Jahre vergessen, zumal der Doc auch noch 1,4 festgestellt hätte. Selbst gebaut hatte er das Prachtstück. Rein zufällig hat er ein ganzes Album mit Bildern aus der Bauphase dabei. Donnerwetter! Wir sind beeindruckt. Der ganze Aufbau aus Aluminium, isoliert mit Material, vorgesehen einmal für ein Tiefkühlhaus. W. hatte auch mal einen Isolierbetrieb und da seien diese hochwertigen Materialien mal übrig geblieben bei einem Projekt und hätten dann in der Ecke gestanden. So sei schließlich der Gedanke entstanden die Platten zu verwenden. Und da er sich ohnehin zur Ruhe setzen wollte, er hätte genug, wäre ihm der Gedanke gekommen, sich ein entsprechend großes, gutes Wohnmobil zu bauen und mit seiner Frau zunächst erst einmal auf Europa- Tournee zu gehen. Später hätte er dann gern noch Asien drangehängt. Aber nun sei er weg der Führerschein und so ein Auto wird vom Stehen nun mal auch nicht besser. Zu allem Überfluss muss seine Frau sich auch noch operieren lassen...

Wir sehen es ein, das Auto muss verkauft werden. Ein Moped ist zwar nicht drin, aber dafür ein Kleinwagen. Der macht doch auch ganz schön mobil, und für den Wasserspaß und heiße Tage gibt es ein Motorboot. Ich sehe mich schon in einer kleinen Bucht in der Ägäis. Wolfram hat offenbar ähnliche Gedanken, denn er stellt beiläufig fest: „Hm, da brauchen wir dann aber noch ein paar Benzinkanister“ Och, das sei kein Problem, er, W. hätte noch vier Stück, und ohne Boot könne er ohnehin nichts damit anfangen, sie gehörten dazu. OK, OK.

Eine Stunde später sieht uns die Oberbruchstraße statt zu zweit auf einem Moped, hoch oben auf dem Kutschbock eines hochbonforzinösen Wohnmobils und 45.000 Mark ärmer. Aber mit welch einem Gegenwert! Der Rest des Tages vergeht wie im Fluge. Straßenverkehrsamt Nummernschilder besorgen, ich brauche ja 4 Stück, noch eine Runde mit dem neuen Luxusgefährt, ja – und da war auch noch meine liebe Brigitte. Sie verhielt sich so, wie sich Frauen eben in solchen Fällen verhalten. Keine Spur von Begeisterung, das Klo müffelt! Der Fußboden knarrt und außerdem ist er viel zu tief. Das stimmt zwar, aber ich zumindest kann ohne weiteres aus den Fenstern sehen, einsfünfundfünfzig ist nun mal ziemlich kurz, zugegeben. Aber wir werden das noch ändern, notfalls legen wir den Fußboden eben etwas höher, dann knarrt er auch nicht mehr. In dieser Nacht liege ich im Bett und fahre Wohnmobil.

Noch in Krefeld

Nach der ersten Euphorie baue ich den Beifahrersitz aus. Meine liebe Brigitte hat entdeckt, dass dieser aus einem ausrangierten Fernsehsessel besteht, der auf einer runden Mittelstrebe ziemlich gakelig mit einigen Spackschräubchen notdürftig auf einer untergelegten Sperrholzplatte befestigt, keinen allzu soliden Eindruck macht. Ein Schleudersitz ins Paradies, meint Brigitte. Und ich finde, dass sie diesmal sogar Recht hat. Ich lasse also den drehbaren Fuß abtrennen und auf eine stabile Blechkiste schrauben, die dem Sitz einen vernünftigen Halt gibt. Zusätzlich bringe ich einen Sicherheitsgurt an, den ich seitlich mit langen Schrauben an der Karosse befestige. Die untere Befestigung bereitet mir allerdings eine herbe Erkenntnis. Das Sperrholz wurde wohl deshalb verwendet, weil der gesamte Boden des Führerhauses durchgerostet war. Den Sicherheitsgurt haltbar zu befestigen, das dürfte schwierig werden. Irgendwie schaffe ich aber auch das. Gewindestangen und Rohrstücke, manchmal wirklich Retter in der Not! Vorher war ich war mit dem Stuhl bei Fa. Kahles, einer Autosattlerei und wollte ihn umbauen lassen, aber die konnten angeblich aus Termingründen nicht. Kommentar des Meisters: „So was habe ich wirklich noch nie gesehen, da springt einem ja der Kitt aus der Brille. Und so was hat der TÜV abgenommen? Das ist doch nicht zu fassen!“ Ich sage ihm dass es die DEKRA war. Er verweist mich an eine Firma auf dem Dießemer Bruch. Da klappt es dann. Aber wie ich mit dem Ding ankomme, läuft die ganze Belegschaft zusammen, so was habe man noch nie gesehen. Aber sie bauen mir eine stabile Blechkiste, sogar mit Klappdeckel und solidem Verschluss. Darauf den abgetrennten Sitz mit seinem wunderschönen Plüschbezug.

Als nächstes stelle ich fest: Vorderer Trinkwassertank undicht, weiße Kalkablagerungen auf dem Auspufftopf deuten auf einen älteren Schaden hin (obwohl W. ausrücklich versichert hatte, dass das Auto rundherum topfit sei, es sei alles gemacht worden, vom Feinsten, für die Ewigkeit gebaut. Als Vergleich zog er die „Clou- Liner“ heran. Nur kosteten diese eben eine viertel Million, sein Auto hingegen sei zwar genau so gemacht und genau so gut, koste jedoch nur 45.000 Mark).

Gekauft wie besehen, Rekl. nicht möglich. Reparatur nicht möglich Tank muss undicht bleiben, verliert allerdings seinen gesamten Inhalt in ca 5 bis sechs Stunden. Dazu kommt, dass einem wirklich Jeder sagt dass das Auto tropft. Ich lese blankes Misstrauen in den Augen, als ich sage dass es sich um Trinkwasser handelt

Die Umstellhähne an der elektrischen Wasserpumpe sind beide undicht, beide Tankinhalte laufen durch die Hähne ins Innere des Gepäckraumes und von dort über undicht Stellen unter den Wagen. Hoffentlich läuft uns der Regen nicht genau so herein! Wir kaufen zwei neue Metallhähne und wechseln die vorhandenen Billig—Plastic—Hähne gegen diese aus. Die Montage ist wegen der vollkommen idiotisch eingebauten Armaturen fast unmöglich, man kommt nur durch ein ca. 20X20 cm großes Loch an die Leitungen, zudem sitzt die el. Wasserpumpe davor, so dass die Montage so gut wie unmöglich wird. Wolfram bringt es trotzdem zustande: Montagezeit ca. 10 Stunden.

 

Neuss:
  • Wir verlieren den Auspuff; Donnergetöse, erst mal zurück nach Krefeld.
  • Auspuff kaufen, Montieren. Zeitverlust: Ca. 7 Stunden, im Bauch eine
  • Mordswut auf W.. Schönes “Auto für die Ewigkeit gemacht“! Die
  • Toilette müffelt nicht nur, sondern die Kiste stinkt wie ein Jauchewagen, Brigitte hat untertrieben!

 

Wieder unterwegs in Richtung Griechenland, treffen in Altendiez Familie Bensberg, die schon lange ungeduldig wartet und müssen deren Gemecker ertragen. Wir wollen zusammen fahren und die Bensbergs warten nun schon fast einen ganzen Tag auf uns!

 

Weiterfahrt Autobahn Richtung Frankfurt. Camberger Berg:

Irgend ein Belag stinkt angebrannt. Bremsen können es nicht sein, bleibt nur noch die Kupplung! Ich schalte vorsichtshalber noch einen Gang herunter. Beim nächsten Schaltvorgang geht nichts mehr. Kupplung kaputt. Sage Bensbergs per Funk bescheid, fahren nach Camberg, aber Fehlanzeige, keine Werkstatt, müssen nach Frankfurt zu Mercedes. Kommen dort nach abenteuerlicher Fahrt auch gut an. Es ist 2 Uhr und 35 Minuten, als wir bei Mercedes auf dem Parkplatz eintreffen.

In der Nacht geht aus unerfindlichen Gründen die Alarmanlage an und lässt sich erst abstellen, indem man die Hupe abkneift. Alles ist wach, die Kinder schreien, zu allem Überfluss findet sich auch noch ein Streifenwagen mit schlechtgelaunter Besatzung ein! Hoffentlich fangen die nicht an das Auto zu untersuchen, aber ich habe Glück. Samstag: Wasser ist alle, die Kiste stinkt nach Kloake, meine Frau läuft fast Amok, Bensbergs sind allein weitergefahren klein Philipp heult, aber immerhin wird das Auto repariert. Die Daimler—Leute sind eigentlich ganz nett. Meister Zichowitz meint, das Auto sei eine Katastrophe. Von oben hui und von unten Schott. In der Grube sehe ich dann was er meint, sogar als Laie... Der Monteur flucht über die verbauten Kiste, die Mühle stinkt wie ein Jauchewagen, außerdem er kommt kaum an die Gestängeteile. W. hat auch dort zugeschlagen, ein Batteriekasten sitzt genau im Weg. Nächster Schock: Ich falle bald aufs Kreuz, dreitausend Mark a cto., den Rest wolle man über Krefeld abwickeln. Ich zahle zähneknirschend. Zeitverlust: 14 Stunden, Nerven fix und foxi.

Während der Montage habe ich etwas Zeit und entdecke an mehreren Stellen abgeplatzten Spachtelkitt und lockere Nieten. Wenn das so weiter geht, kommen wir nur noch mit dem blanken Chassis in Griechenland an. Habe aber vorsichtshalber eine Nietzange mitgenommen, und so werden die ersten Nieten ausgebohrt und neu eingezogen.

Wieder auf der BAB in Richtung Süden: Mit letzter Kraft und ruckelndem Motor erreichen wir die Tankstelle, Rasthaus zum Spessart. Genau auf dem Parkplatz gibt der Motor seinen Geist restlos auf, ich stehen mitten auf der Fahrbahn. Gott sei Dank ist die Straße abschüssig und ich kann das Auto rückwärts an den Straßenrand rollen lassen. Beim Versuch zu bremsen stelle ich fest, dass ohne laufenden Motor die Bremsluft nicht ausreicht um die Bremse zu betätigen, mit beiden Beinen stehe ich auf dem Pedal, nichts! Schließlich ziehe ich in meiner Not die Handbremse. Der Federblock funktioniert gottlob und die Räder kommen ruckartig zum Stillstand. Teller und Tassen kaputt, Kindergeheule, Brigitte tobt und ich nehme mir vor W. zu ermorden!

Diesmal ist der Kraftstofffilter restlos verstopft. Mit Erleichterung treffe ich diese Feststellung. Da ich Ersatz dabei habe, ist die Störung relativ schnell behoben. Der alte Filter ist völlig mit Rostpartikeln und einem schleimig—braunem Gelee zugesetzt. Mehr Probleme bereitet mir da schon der Zustand meiner Druckluftleitungen, denn ohne Druckluft keine Bremse. Jedenfalls nicht auf beiden Achsen. Ich muss den Druck laufend beachten, mit laufendem Motor steht er bei 6 bar. Das reich. Aber weniger darf es nicht werden. Beunruhigend ist auch, dass die Bremse bei abfallendem Druck nicht blockiert, wie sie das eigentlich müsste. Auf welche Weise mag dieses Fahrzeug wohl durch den TÜV gekommen sein? Nach einer Stunde geht es weiter. Vorher tanken wir noch mal Wasser. Der Tank rinnt jetzt wie ein Wasserhahn, es hat wohl keinen Zweck mehr noch mal Wasser einzufüllen, vielleicht kann man ihn in Griechenland doch noch reparieren, die Kameraden sind teilweise ganz gut drauf. -

Passau: Wir sind ohne weitere Zwischenfälle bis Passau gelangt, und verlassen die BAB zum tanken. Riesensauerei : Der Tankwart tankt auf mein Verlangen randvoll, denn ich will ohne Zwischentanken in Österreich bis nach Ungarn kommen, und nun plätschert der Treibstoff munter aus irgendeinem unzugänglichen Leck aus dem oberen Teil eines der beiden Tanks. In kürzester Zeit steht der Sprit fingerhoch, der Tankwart tobt. Schnell weg... Wir müssen durch das Stadtgebiet von Passau. Berufsverkehr, alles steht in den engen Gassen. Der Sprit läuft und läuft. Wenn uns jetzt ein Verkehrspolizist erwischt, dann wird es teuer. Andauernd hupt Jemand, oder ein Fußgänger schreit erbost, allmählich versiegt der Treibstoffstrom aber. Plötzlich, an einem Berg ein Hupkonzert, einer der Autofahrer ist ausgestiegen und macht uns darauf aufmerksam dass der Wagen Treibstoff verliert, will uns freundlicherweise zu einer Mercedeswerkstatt begleiten. Ich sage ihm, dass ich auf dem Weg zu eben dieser bin, worauf er mir sagt, dass ich in genau er falschen Richtung unterwegs bin. Also wende ich vorsichtshalber, denn ich riskiere sonst eine Anzeige und tue so als ob ich zur Werkstatt fahre. Wieder bin ich im Stadtgebiet Passau, stelle aber erfreut fest, dass nichts mehr ausläuft. Gott sei Dank! Wir laufen bei einem Supermarkt ein und Brigitte kommt tatsächlich mit frischer, loser Kuhmilch zurück. Dass es so etwas noch gibt, verwundert mich gewaltig. In Bayern scheinen die Uhren wirklich anders zu gehen, sympathisch anders. Mit frischen Brötchen, Milchkaffee und wieder erwachendem Optimismus, begeben wir uns erneut auf die Autobahn

Österreich passieren wir ohne jedes Problem. Jedenfalls bis einige Kilometer vor Wien. Ein gewaltiger Gewitterguss bringt etwas Kühlung, es ist doch schon recht warm hier. Bei dieser Gelegenheit stelle ich fest, dass mein 45.00,- teures Auto über keine Scheibenwaschanlage verfügt. Note 1 an die DEKRA! Ich hatte angehalten um den Fehler zu suchen, oder wenigstens die Scheibe vom Fliegenschmierakel zu befreien, aber es regnete mir draußen doch zu stark, so dass ich mich drinnen daran machte den vermeintlichen Fehler zu beheben. Wer beschreibt mein Erstaunen: Von der Scheibenwaschanlage existierte nur die eingebaute Düse an der Scheibe und ein Stück abgeschnittener Schlauch! Zu allem Überfluss klopft es an der Scheibe, draußen im Dunkel stehen trotz des Regens zwei Polizisten. Freundlicherweise lasse ich sie hereinkommen, da sie mir im Regen leid tun. Ich verstehe sie auch nicht richtig, mit Bayern tu ich mich schon schwer. Die Gesichter der beiden sprechen Bände, als sie das Innere meines Luxusgefährtes betreten. Einer der Beiden hält sich sogar die Nase zu und sagt etwas, von dem ich nur Landluft verstehe. Was dann kommt, ist geeignet meinen ohnehin nicht sehr ausgeprägten Glauben an die Notwendigkeit staatlicher Ordnungsgewalt restlos zu beseitigen. Ob ich denn nicht wüsste, dass in Österreich ein Nachtfahrverbot für LKW bestünde? Was, das sei kein LKW? Aber bittschön, da steht es doch, 6,5 Tonnen Gesamtgewicht. Ein LKW also. Ich erkläre ihm, dass in Deutschland derartige Fahrzeuge keine LKW´s seien, dass sie als Sonderfahrzeuge deklariert seien. Wie man was in Österreich deklariere, das müsse ich gefälligst der Östereichern überlassen. Ich merke, dass ich so nicht weiter komme und mache einen neuen Kanal auf: Ich sei ja nur auf der Durchreise und hätte auch nichts geladen, der Motor brauche also nicht schwer zu arbeiten. Das wirkt, wenn auch anders als ich mir das vorgestellt hatte. Ja, das sei schon richtig, deshalb ließen sie mich auch gegen eine Strafgeld von 1.000 Schillinge weiterfahren. Ich schlucke krampfhaft. Er sieht das und meint malziös: „ Also, wann ihane des net basst, - selbstverständlich können sie des ah dem Schnellrichter überlossn, der ist vielleicht sogar etwas billiger als die Bolizei. Dann miassn´s aber bis zum Dienstag woatn, der iss nur zwoamol in da Wochn do!“ Ich schlucke noch krampfhafter und zahle angesichts derart gut organisierter Wegelagerei die tausend Schillinge. Er rechnet mir den Betrag korrekt in DM um: 142,86. Mittlerweile hat es aufgehört zu regnen, als die beiden Staatsdiener vom Parkplatz fahren, reinige ich meine verdreckte Scheibe mit Spiritus und kann wieder sehen. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich weder einen Strafzettel, noch eine Quittung erhalten habe. Die Welt ist voller Gauner!

Ungarn: Auf einem Rastplatz fällt den Bensbergs, die wir an der Ungarischen Grenze getroffen haben, auf, dass etwas aus meinem Auto tropft. Beim Öffnen der Garagenklappe bleibt mir fast das Herz stehen: Unser gesamtes Gepäck steht unter Wasser. Durch den Regenguß in Österreich, hat sich der ganze Raum mit Wasser gefüllt. Das Wasser kam durch einen nach oben offenen Radkasten in den Wagen. Die Räder müssen hunderte von Litern hochgeschleudert haben, von denen ein guter Teil dann im Wagen landete und gleich wieder nach unten heraustropfte, allerdings wurde dabei alles durchnässt was in dem Raum untergebracht war, und das ist nicht wenig! Trocknen, - eine Unmenge an Straßendreck hat alles versaut, Bensbergs haben Gott sei Dank eine halbe Werkstatt dabei, darunter einen halben Quadratmeter Edelstahlblech und einen ganzen Karton Silikon- Dichtmasse. Ich profitiere davon, Bensbergs fahren wieder einmal vor, wir verabreden uns in Budapest...

Einen Tag später rollen wir wieder, jetzt mit dichtem Gepäckraum. Ich bin völlig am Ende. Es ist heiß. Mein rutinemäßiger Blick auf die Anzeigeinstrumente jagt mir einen Mordsschreck ein. Die Motortemperatur ist stark erhöht, 110 Grad. Als Ursache stellt sich eine aus einem Stück altem Leder geschnittene Deckeldichtung heraus. Außerdem hat der Kühler anscheinend auch noch ein kleines Loch. Ich schneide eine provisorische Dichtung aus einem Stück Autoschlauch. Nicht auszudenken wenn ich den Fehler nicht bemerkt hätte!

In Budapest treffen wir Bensbergs wieder, sie waren mittlerweile am Plattensee und haben sich die Stadt angesehen. Einen kurzen Eindruck wollen wir auch mitnehmen. Tjade Bensberg kann den Führer mimen. Dann mitten auf der Donaubrücke: Der Kraftstofffilter ist wieder einmal verstopft, die Kiste steht schon wieder! Hinter uns eine wild hupende Meute, an uns kommt keiner vorbei, die Brücke stammt noch aus der Donau- Monarchie, und mein Auto ist zweimeterundfünfzig breit. Ein Motorrad- Polizist bedeutet mir unmissverständlich, ich möge die Brücke sofort räumen, ich kann nicht. Bensberg fragt per Funk wo wir bleiben. Ich heule vor Erschöpfung und Wut. Es fehlt nur noch eine Kleinigkeit und der Polizist liegt in der Donau, aber irgendwie scheint er das gemerkt zu haben. Jedenfalls hört er auf zu palavern. Mittlerweile ist mir alles egal. Ich bin müde, habe alles satt und wechsele wieder einmal den Kraftstofffilter, der Treibstoff läuft mir bei jedem Handgriff den Arm hinunter und über Brust und Rücken, die Kiste ist erbärmlich heiß, dauernd verbrenne ich mich, bin eingehüllt in Diesel und den allgegenwärtigen Kloakengestank. Das Ganze mitten auf der Donaubrücke, sie ist alt und wunderschön mit grüjner Patina belegt, der Polizist bringt laut trillernd den völlig zusammengebrochenen Verkehr in wieder Gang. Ein Albtraum!

Endlich hat uns Griechenland! Filter wechseln ist nicht mehr möglich, ich habe den letzten verbraucht, aber ich habe den letzten aufgehoben und habe ihn bestmöglich gereinigt. So geht‘s dann doch noch mal. Saloniki ‚ Stavros, Jerissos, es scheint so, als ob die Qual ein Ende hat. Blauer Himmel, blaue See, tausendfältiges Aroma in der Luft, Hurrah, wir haben es doch noch geschafft! Nur noch ein kleines Stück schmaler Feldwege hoch über der Küste. Plötzlich ein Krach und wir rutschen fast von der Sandstraße. Der Wagen hängt stark nach rechts, die ganze Karosse ist abgesackt. Ich glaube zunächst dass die Straße unter dem rechten Vorderrad nachgegeben hat. Ein Blick in die Tiefe lässt eine leichte Gänsehaut aufkommen, die Straße, oder besser gesagt der Feldweg verläuft hoch oben am Berg und neben uns gähnt ein gewaltiger Abgrund. Handbremse anziehen, Wolfram ist schon draußen. Ich schimpfe über die schlechte Straße und überlege schon wie ich aus dem Loch herauskomme, da höre ich meinen Sohn: “Wetten dass die Straße in Ordnung ist?“ Mir schwant Schreckliches: Federbruch? Nein die Feder ist nicht gebrochen, aber etwas anderes, schier unglaubliches ist geschehen. Ein Federbolzen ist seitlich aus dem Federauge herausgerutscht! Die Feder dadurch entlastet, konnte den Wagen nicht mehr stützen, der demzufolge nach unten absackte. Jetzt brauche ich Hilfe. Die lässt auch nicht lange auf sich warten, hinter uns hält ein schwerer LKW. Ah, Germania, ja dort habe man auch einmal gearbeitet, bei Frankfurt in Wiesbaden.

Feder kaputt? Schlimm! Nein, doch nicht, ah, kein Problem! Der nette Grieche macht sich auf der Ladefläche seines mit Baumaterial beladenen LKW’s zu schaffen und kommt mit einigen Kantholz- Stücken zurück. Dann schafft er einen Wagenheber herbei, einen Fäustel, ein Ende dicken Draht, schließlich einen Vorschneider, wie er zum Trennen von Moniereisen verwendet wird. Und dann erlebe ich, was improvisieren auf Griechisch heißt: Das Chassis wird hochgebockt, Kanthölzer und Wagenheber ermöglichen dies, dann bindet der Mann das Federauge mit Draht an die Führung in welcher der Federbolzen einmal saß, d.h. einige etwa 5 bis 6 mm starken Drahtstücke welche er mit dem Vorschneider von seiner Ladung abgezwickt hatte werden durch das Auge gesteckt, als Ersatz für den verlorenen Bolzen. Die letzten Stücke schlägt er mit dem Hammer ein. Anschließend klopft er sie mit dem Fäustel auf beiden Seiten krumm, so dass sie nicht herausrutschen können. Das Unglaubliche ist für mich, dass der Wagen nach dem Ablassen des Wagenhebers tatsächlich gerade stehen bleibt. Bezahlung? Aber nein, man hilft sich doch schließlich. Wo wir denn hinwollten. Nach Deviliki? Ja das sei ihm gut bekannt, er wohne nur wenige Kilometer entfernt. Und wir verabreden uns zu einem Abendessen mit Retsina und Zyporo.

Wir fahren los, der freundliche Grieche bleibt hinter uns. Bis nach Deviliki. Später meint er dann: „Weißt du, das ist genau wie bei Kind, muss gucken ob gut schlafen“. Ja, so was gibt‘s auch noch. An diesem Abend trinken wir bis “gut schlafen“. Kali hypno.

Wir haben Zelte aufgebaut, denn der Wagen muss in eine Werkstatt. Einer meiner deutschen Kameraden, der seit 15 Jahren in Griechenland eine Fernsehwerkstatt betreibt und der mit einer Griechin verheiratet ist, weiß sofort Rat. Am Besten sei es, ich brächte den Wagen zu einem Bekannten von ihm, der sei der beste Mechaniker weit und breit; ratsam aber, mit dem Mann vorher zu sprechen. Also fahre ich mit dem Taxi die 65 km nach Stavros, spreche mit dem Mann, mache einen Termin und fahre ebenso wieder zurück. Einige Tage danach, ich rufe bei Krystos in Stavros an, die Teile sind aus Saloniki gekommen. Jetzt wird es spannend. Vorsichtig setze ich mei Gefährt in Gang und fahre ich angstvoll nach Stavros. Aber die Drähte halten, ich komme bei Krystos ohne die geringsten Schwierigkeiten an. Das Provisorium betrachtet er mit sichtlichem Nationalstolz als er die Geschichte hört. Ja, ein griechischer Lastwagenfahrer, so sagt er, kapituliert so schnell vor keinem kaputten Auto. Und was ein echter Grieche sei, der würde sogar dem Teufel seinen Schwanz mit Draht festbinden. Ganz Griechenland werde von Draht zusammengehalten und Draht das wichtigste Ding in Griechenland außer gutem Essen, Wein, Musik und schönen Frauen. Aha, so ist das also! Und nach meinen Erfahrungen kann ich ihm nur beipflichten. Am nächsten Tag sind beide Achsen repariert, sogar neue Stoßdämpfer sind drin, die Federaufhängungen sind allesamt neu, Stabilisatorbuchsen ersetzt, und ich bin weitere 1.500 Mark los.

Wieder bei den Zelten angekommen, berichtet mir mein Sohn folgendes: Der von W. mitgelieferte Bootsmotor hat einen Riss, offenbar bereits mehrfach mit Schrauben und Bandmaterial geflickt. Außerdem ist die Antriebs- Schraube angebrochen. Beides, ist vor dem Verkauf an mich mit Spachtel und Farbe übertüncht worden, so dass man es nicht sehen konnte. Das ebenfalls mitgelieferte Kleinstauto läuft statt der versprochenen 70 Stundenkilometer ganze 35, springt nicht oder nur äußerst zögerlich an, nimmt kein Gas an, so dass die Handhabung nur trainierten Eingeweihten möglich ist, hat dafür aber weder Hupe noch Scheibenwischer, verliert Getriebeöl in beängstigenden Mengen, lässt sich durch eine total verpfuschte Tankkonstruktion nicht ordentlich mit Treibstoff befüllen und der Anlasser geht auch nicht mehr. Nach der Reparatur, dazu musste der Anlasser ausgebaut und nach Stavros geschafft werden, tut es dafür das Licht nicht mehr.

Die im großen Fahrzeug eingebaute Solar- Ladeanlage für die Batterie hat entweder ihren Geist aufgegeben, oder nie funktioniert. Frau W. hatte in Krefeld eine neue Batterie einsetzen lassen, wohl in der Ansicht, dass die Batterie kaputt sei. Irgendwann war das Ding dann natürlich wieder leer. Ein freundlicher junger Grieche mit Sachkenntnis und einem richtig tollen Messgerät, hat den zur Anlage gehörigen Regelkasten auseinander genommen, einige unsachgemäße Lötverbindungen gelöst und neu verlötet, sowie aus der unergründlichen Seitentasche seines Motorrades einige winzige Bauteile gezaubert, mit denen er eine zeitlang experimentierte. Seit dieser Zeit läuft die Anlage, lädt bei Sonnenschein sogar mit ca.1.8 Ampère und schaltet ab, wenn die Batterie voll ist.

Einziger Ärger momentan: Der Lokus stinkt derartig, dass sich die anderen Platzbenutzer mokieren. Wir entleeren den Tank auf der örtlichen Müllhalde, spülen ihn und gehen nur noch außerhalb aufs Töpfchen. Zwar unbequem, aber jetzt ist Ruhe. Einige Tage später kann ich mir von Bekannten eine kleine chem. Toilette leihen, was das Problem erst einmal löst. Genau so lästig ist die Sache mit den Wassertanks. Es ist zwar ein Brunnen in der Nähe, aber er liefert Brackwasser. Außerdem beherbergt er Mückenlarven, so dass wir für Frischwasser in Flaschen ein kleines Vermögen ausgeben müssen. Unsere Bargeldreserven schrumpfen bedenklich.

Im Auto wird es von Tag zu Tag heißer. Durch die überaus schlechte Luftzirkulation kühlt er nicht mehr aus. Eine Sauna auf Rädern, wir schlafen draußen. Mittlerweile spottet der ganze Platz über mich und mein Superauto.

Wir wollen einkaufen, aber der Wagen springt nicht an. Das Mini- Auto hat einen Platten und ein Ersatzrad existiert nicht. Himmel, wo hab ich beim Kauf nur meine Augen gehabt? Das Relais, welches die beiden 12 v- Batterien hintereinander schaltet, damit der Anlasser 24 Volt bekommt, ist kaputt. Es sitzt völlig verbaut, man kommt nur schwer heran, im Auto herrschen sage und schreibe 47 Grad Celsius. Ich bin bestimmt hart im Nehmen, aber das geht nun wirklich bis an den Rand meiner Kräfte. Ich koche im eigenen Saft und bekomme die ersten ernsthaften Probleme mit meinem Kreislauf. Das Relais ist ein Schrotthaufen, aber ich kriege es provisorisch wieder hin. Wir werden künftig sparsam starten müssen. Später kann ich es in Jerissos ersetzen.

So fahren wir einen Tag später einkaufen. Unterwegs fällt meiner Frau auf, dass der eingebaute Toilettenteil des Wagens, eine Art Schrank der die Toilette von dem übrigen Raum abteilt, beängstigend in Bewegung ist. Ich sehe nach: Da muss ganz dringend auch etwas geschehen, sonst fällt der ganze Kram auseinander. Aufspringende Türen und Schubladen haben wir durch Einbau von Schlössern unter Kontrolle gebracht, aber die Probleme sitzen tiefer. Übrigens ringeln sich an den Fenstern die angepfuschten Rahmungen derselben ab, die müssen auch einmal ordentlich befestigt werden.

Einige Tage später wollen wir nach Arnea fahren, um einige Einkäufe zu tätigen.

Neue Überraschung: Das Auto hat von W. ein Busgetriebe in der Hinterachse erhalten, womit er das Fahrzeug schneller zu machen gedachte. Die Quittung bekomme ich auf dieser Fahrt. Ein Berg vor mir, Steigung ca 25%, es geht sehr steil bergauf und mein Auto verhungert am Berg. Es bleibt einfach stehen, weil die Getriebeübersetzung nicht mehr stimmt! Anfahren unmöglich, wenden unmöglich, hinter mir eine Autoschlange mit Leuten die ohnehin schon lange über mich fluchen weil sie nicht vorbei kommen, und ich —muss r ü c k w ä r t s den ganzen Berg wieder runter! ! ! Wenn ich nach Hause komme, werde ich den W. erwürgen! Ganz bestimmt sogar!!!

 

Einige “Kleinigkeiten“:

Das Auto verbraucht statt der von W. angegebenen 12 l auf 100 Km 21 l und der Ölverbrauch ist auch drei mal so hoch wie von ihm angegeben; 3 l auf 100 Km bei niedriger Drehzahl. Fährt man etwas zügiger, oder muss durch bergiges Gelände, werden es leicht 5 bis 7 Liter Öl auf 100 Km! Im Alkhoven kann keiner schlafen, denn der Boden hängt nach kurzer Zeit derartig durch, dass die Gefahr besteht dass der Schläfer mitsamt der Matratze auf dem Fahrer, bzw. Beifahrersitz landet. Auch existiert dort kein Fenster, so dass sich eine Benutzung des Bettes schon wegen der mangelnden Luft verbietet. Der Abwassertank für das Toilettenraum- Waschbecken ist locker, oder hat sich gelöst, Wasser läuft daneben, sammelt sich im Gepäckraum. Der Wandschrank in der Toilette hat zwei kaputte Türen, so dass es nurmehr ein Regal ist, wir haben vor Antritt der Fahrt die Scharniere in handwerklicher Arbeit erneuert, damit der Schrank überhaupt brauchbar war. W. hatte ihn ganz dezent zugeklebt, so dass der Schaden nicht zu sehen war. Die Steckdose im Schrank ist falsch angeschlossen, liefert keinen Strom. Der Gastank hat keine TÜV- Papiere und ist total verrostet, ein wirkliches Prachtstück, der Kühlschrank ist nicht an 12 Volt angeschlossen, Benutzung Während der Fahrt somit nur verbotswidrig mit Gas möglich, das 220 V Netz fehlt völlig und der teuer mitgelieferte Generator der Marke “MASE“ hat einen Lagerschaden, ebenfalls Schrott. Am Fahrerfenster fehlt der Griff, auch ist es nur mit Gewalt zu verschieben, daher ist wohl der Griff abgebrochen, es regnet bei Schlagregen rein, Der Schieber für die Fahrerhausheizung lässt sich nicht schließen, so dass die Heizung immer läuft, der Ventilator in der Heizung ist kaputt, wir haben ihn provisorisch zum Laufen gebracht und den Kühlwasserschlauch mit einer Plastiktüte aufgesetzt. Nun läuft kein Wasser mehr durch den Herizungskühler und wir bekommen etwas frische Luft. Das Handschuhfach klemmt durch den Umbau von W. und lässt sich nur mit Gewalt öffnen und schließen, die Gummipolster der scharfen Kanten fallen ständig von alleine ab, der Fahrtenschreiber ist defekt, d.h. die Warnlampen leuchten nur wann sie wollen, am Radio ist das Kassettenteil kaputt, nach wenigen Minuten kommt meist nur noch verzerrter Lärm aus der Lautsprechern, die beiden Kanäle des Gerätes arbeiten auch nicht einwandfrei. Das Masseband vom Motor ist kaputt, die Batterie-Massekabel sind defekt, das Blinkerrelais tut es nur zeitweise, der Warnblinker ebenso, die beiden Halslager der Lenksäule sind ausgeschlagen, der Lenkungsdämpfer ist völlig kaputt- keinerlei Funktion mehr, bei geöffnetem Fenster bläst kochend heiße Luft unter dem Fahrersitz heraus, das Garagenschloss ist völlig verbogen, wir haben es prov. hergerichtet muss aber ersetzt werden, und der Lokus bläst beim Fahren aus dem Fäkalientank derartig raus, dass eine Hühnerfeder emporgeblasen wird! Das sorgt für Landluft! Die Reparatur der Tanks ist nur dann möglich, wenn der gesamte Flurboden des Fahrzeuges entfernt wird, dazu müssen die Möbel und die komplette Standheizung, wobei es sich hierbei um eine Fußbodenheizung handelt, ausgebaut werden! Die Hinterräder lassen sich mit Bordmitteln nicht wechseln, da die entsprechenden Ausschnitte in der Karosse zu klein sind. Wohl damit man nicht unter das Fahrzeug sehen kann. Die Reifen streifen in den Radkästen so eng sind diese angelegt. Obwohl der Wagen hochgebockt wurde, konnten die Räder nach dem Lösen der Schrauben nicht heraus gezogen werden. Radkreuz und Wagenheber fehlen völlig. Im Kühlschrank sind die Fächer teilweise kaputt, so dass die volle Stapelkapazität nicht genutzt werden kann, es fallen die Sachen beim Öffnen der Tür heraus.

 

Die Heimfahrt

verlief über alle Maßen ereignislos. Mit zwei kleinen Ausnahmen: Als Erstes ging der Motor kaputt, genauer gesagt die Einspritzanlage. Freundlicherweise genau bei Mercedes vor der Tür. Kosten 1.250 Mark, Zeitverlust ein halber Tag. Solche Kleinigkeiten regen mich nicht mehr auf, ich will nur noch nach Hause. Wir sind in Österreich. Es knallt urplötzlich wie eine Kanone: Ein Innenreifen auf der Hinterachse ist geplatzt! Bei dem Reifen handelt es sich keinesfalls um einen neuen Reifen, wie W. angegeben hatte, sondern es ist ein echter Schrottreifen, der völlig porös ist. Ich betrachte es als ein kleines Wunder, dass er die Fahrt bis nach Österreich überstanden hat. Der Halunke hatte beide Innenreifen der Hinterachse vom Schrottplatz bezogen, so dass der Zustand dieser Reifen beim einfachen Betrachten nicht bemerkt werden konnte. Der andere Reifen verreckte vor Nürnberg. Da der Ersatzreifen ebenso aussah wie seine verblichenen Genossen, habe ich in Nürnberg 3 Reifen kaufen müssen. Kostenpunkt noch einmal 1.350,- DM

Nach dreieinhalb Wochen hat uns nun Krefeld wieder. Unseren wunderschönen Camper kann ich nur noch mit Hassgefühlen betrachten. Immerhin habe ich mir vorgenommen ihn zu behalten, denn einen Käufer find ich für diesen Schrotthaufen nicht. Außerdem möchte ich niemand betrügen. Aber mit W. werde ich ans Gericht gehen.

 

Nachtrag:

Den Prozess habe ich verloren. Die Richter meinten gelangweilt, gekauft wie besehen sei nun mal so, außerdem hätte ich ja nicht so blauäugig kaufen brauchen. Wahrscheinlich haben sie recht. Erwürgt habe ich ihn auch nicht, den W. , er ist von allein gestorben. Das Fahrzeug habe ich noch über 12 Jahre behalten. Allerdings habe ich im zweiten Jahr einen neuen Motor einbauen müssen, der alte war vollkommen aufgebraucht. Meine Recherchen haben ergeben: W. hatte das Fahrzeug bei einer Autoverwertung erworben. Ursprünglich ein Pritschenwagen, war dieser bis zu seiner Außerdienststellung im Baustellenverkehr eingesetzt worden. Im letzten Jahr wurden keinerlei Wartungs-oder Reparaturarbeiten mehr durchgeführt und schließlich verschrottet. Danach wurde das Fahrzeug von W. zum Wohnmobil umgebaut. Die Arbeiten wurden teilweise von Fachleuten ausgeführt, größtenteils jedoch von ihm selbst gemacht. Eine Weltreise war mit dem Fahrzeug nie beabsichtigt. Das haben verschiedene Leute gesagt, die es wissen müssen. Es diente einzig und allein dem Dummenfang und es hat diese Aufgabe auf hervorragende Weise erfüllt. Bei mir.

Dennoch: Irgendwie ist mir die Kiste im Laufe der Jahre doch ans Herz gewachsen, zumal sie ab dem dritten Jahr nie wieder irgend welchen Ärger gemacht hat. Eines Tages habe ich das Wohnmobil abgegeben, auch weil es uns zu groß geworden war. Ich hatte einfach keine Lust mehr. Allerdings habe ich ziemlich schnell eingesehen, dass es „ohne“ auch nicht geht. Ich fühlte mich wie amputiert. Ein Jahr danach habe ich wieder ein Wohnmobil, kleiner zwar, aber ich habe wieder eins. Und ich fühle mich wieder viel besser.

 



Mechanische Uhren

Mechanische Uhren sind veraltet, überteuert und völlig nutzlos und eigentlich doch nur etwas für Angeber

Text: Ulrich Wehpke

Erwartet hier auch nur ein Mensch, dass ich lauthals Protest schreie? Wirklich? Angesichts der himmelschreienden Ungerechtigkeit gegenüber den fortschrittlichen, lautlosen, genaueren und leichteren Quarzuhren? Zeig mir doch mal jemand auch nur eine einzige mechanische Armbanduhr mit Beleuchtung, mit eingebautem Rechner oder digitalem, internetkompatibelem Fotoapparat! Oder meinetwegen auch nur Eine mit einer Gangreserve von mehreren Jahren! Ich will ja gar nicht weiter ausholen und die Gemeinde der ewig Gestrigen noch weiter frustrieren, obgleich ich sie schon schreien höre. Immer die gleichen, gleich unzutreffenden, gleich schönfärberischen Argumente! Ticktackfetischisten! Edelste Uhrmacherkunst, Handarbeit, feinste Finnisierung, Manufakturerzeugnis, Kom-pli-ka-tio-nen, Schwei-zer-Strei-fen, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Ich halte dagegen: Montagebänder, Roboter, Laserbohr- Schneid- und Gravierautomaten. Computergesteuerte Fräs-Dreh-und Wälzautomaten mit automatischer Materialzuführung und ebensolchem Werkzeugwechsel! Wo bleibt denn da das ‚Manu‘? Gottbewahre, nur das nicht! Um Gottes Willen, die Finger weg! Nur keine Hand in den Produktionsprozess bringen, die Dinger sollen ja schließlich funktionieren! Im Gegenteil, je weniger Hand im Spiel ist, um so weniger Fehler treten hinterher auf.

Statt des Kultes um die sich am Arm oder in der Hosentasche abzappelnden Getriebe mit Ladehemmung, sollte man eigentlich einen Fanclub für die verschiedenen Robotertypen gründen, dann träfe die Verehrung der Gläubigen wenigstens einmal die wirklichen Leistungsträger. Oder sollte man besser gleich die Steckdose zum Altar umfunktionieren? Wo sind sie denn eigentlich, die Uhr- Macher?! Kennt jemand einen? Ich nicht! Oder doch, halt, stop! Meister Luis Blank, der hat eine gebaut. Ganz für sich. So nur für den eigenen Spaß. Mit ewigem Kalender und Mondphasenanzeige! Aber die kann man kaum um den Arm binden, höchstens in den Arm nehmen, denn sie wiegt ungefähr 20 Kilo. Außerdem wäre das lange Pendel am Arm doch recht hinderlich. Ja, das ist noch ein Uhr- Macher, aber ich fürchte, einer der letzten seiner Zunft! Der normale Uhrmacher macht ja alles mögliche, nur keine Uhren. Ich habe hier im Forum sogar schon gelesen, dass es Uhrmacher geben soll, die man nach einer vollbrachten Reparatur besser wegen Sachbeschädigung belangen sollte. Schlimm! Aber das Problem hat sich ohnehin bald von selbst erledigt, denn wenn ich mir die Ausbildungszahlen anschaue, kann der Beruf in ein paar Jahren wohl nur noch als Geheimbund bezeichnet werden. Die Roboter, oder besser gesagt ihre Herren, produzieren denn auch schon heimlich Schippen, damit der letzte Uhrmacher endlich begraben werden kann. Die stören nämlich mehr, als sie nützen, vor allem aber, nerven sie! Alles läuft automatisch, automatische Materialbeschaffung, automatische Materialsilos, automatische Produktion bis zum Bandanbringen, sogar automatische Rechnungsstellung, und dann wollen diese Nervheinis Ersatzteile! Woher denn nehmen? Etwa die Produktion stoppen und die Roboter beklauen? Wie stellen die sich das überhaupt vor? Naivlinge! Was wollen die, Uhren reparieren? Nein und noch mal nein! Das ist vorbei, ein für alle Male! Wenn die Herstellungskosten einer Uhr ohnehin zu 90% oder mehr in Betriebsgebäuden, Konstruktion, Maschinen, Einrichtung der Produktionsanlaggen, Vertrieb, Promotion und dergleichen liegen, dann spielt es doch wirklich kaum eine Rolle, ob nun 1000.000 oder noch 50.000 mehr von den Tickern produziert werden. Das Bißchen an Material- oder Stromkosten was da auf ein einzelnes Uhrwerk entfällt, das macht doch wirklich kaum noch die Hälfte! Und da soll man noch zulassen, dass normale Uhrmacher die Uhren reparieren? Soll man sich etwa den guten Namen versauen lassen, der mit so viel Geld und Mühe aufgebaut wurde? Nix da! Reparaturen gehören ins Werk! Neues Werk, neue Uhr – das ist die Devise! Na ja, die Besten von den alten Werken kann man ja durch eigene Leute, oder durch Vertragswerkstätten, streng nach Werksnormen versteht sich, zurecht machen lassen. Alle beweglichen Teile raus und neue rein, Geld spielt keine Rolex! Wozu braucht man da denn noch richtige Uhrmacher? Servicemonteure, das reicht doch völlig! Und wie gesagt, Uhrmacher gibt’s bald ohnehin keine mehr, aber die Roboterchen werden gottlob immer besser und für den saftigen Reparaturpreis sitzt eh ein neues Werk, oder auch eine ganz neue Uhr, kostenmäßig ohnehin schon lange drin...

Bleibt immer noch die Frage, warum tun die Leute sich das an! Warum nur, kauft sich jemand ein solches anachronistisches, antiquiertes, unkomfortabeles und manchmal sogar schlecht funktionierendes Spielzeug? Also, am Beliebtesten sind immer diejenigen Modelle, die ohnehin nicht zu bekommen sind. Aber da gibt es dann zwei Kategorien von Befallenen. Ja, wirklich! Uhren sind eine Krankheit, und die befällt einen nun mal. Die Einen sparen sich die Pfennige vom Munde ab, – Verzeihung, heute sind das ja Cente, daher wollen die auch immer Pro- Cente! Auch dann, oder gerade dann, wenn sie nur knapp die Hälfte der nötigen Summe zusammengekratzt haben, dann hat das blöde Knausern wenigstens ein Ende. Die Anderen schießen sich heimlich ein Fake und tun so als ob! Das sind dann gewissermaßen die Hochstapler. Die nicht ganz so Abgebrühten, aber nichtsdestoweniger Naiven, drücken sich mit der Nase förmlich Fettflecken auf den Monitor, wenn sie E-bay aufgeschlagen haben. Was gibt es da doch für schöne Uhren! Bei derchrono zum Beispiel! Alles echt Gold! Davon dass dieses nur aufgehaucht wurde, aber kein Wort! Bestenfalls werden diese drei oder vier Atomlagen Edelmetall zu Plattierungen hochstilisiert. Aber das merkt dann ja keiner. Noch nicht. Und Namen haben sie, wohlklingende, vielversprechende Namen! Dann die Fotos! Hochglanzprospekt auf Bildschirmbasis! Wenn die Machwerke nur halb so gut wären wie ihre Fotos, wäre sicherlich jeder Preis gerechtfertigt! So aber, gibt’s nur einen Preis: Einen Sonderpreis für Dummheit. Und den dürfen sich die armen Irren dann um den Arm binden und der Welt zeigen! Warum, um alles in der Welt, muss es eigentlich immer eine Marke sein? Der Anfang allen Übels! Selbst wenn die Marke gar keine Marke ist, sondern nur so tut? Was ist nur das Faszinierende daran? Rolex, Audemars Piguet, Patek Philippe, und wie sie alle heißen, ehrfürchtig flüstern die Besessenen diese Namen. Wie satt das über die Zunge rollt: Concorde! Eine Gänsehaut lässt den Besessenen erbeben, wenn er diese Namen in den Mund nimmt. Und was dann passiert, wenn er erst mal eine hat! Eine Echte! Dieser Kult! Da wird eigens eiligst ein Uhrenbeweger angeschafft, denn eine lagernde, stehende Uhr verschleißt merkwürdigerweise viel schneller, als eine laufende! Überhaupt wird alles auf den Kopf gestellt, nicht nur Logik und Physik. Merkwürdigerweise geht mit dem Besessenen alsbald eine tiefgreifende Veränderung vor: Die Exclusivität der Uhr, ihre Präzision, ihre Werthaltigkeit, ihre Klasse, all dies überträgt sich in mystischer und nicht nachvollziehbarer Weise auf den Träger! Mitunter leidet er jedoch in der Folge an Bewegungsstörungen, also nicht etwa, dass er anfinge zu humpeln, oder dass er sich nicht mehr bücken könnte, aber die Bewegungsfähigkeit der Arme wird manchmal deutlich sichtbar in Mitleidenschaft gezogen. Der linke Arm zum Beispiel, schiebt sich bei manchen völlig selbsttätig aus dem Schultergelenk und wird lang und länger. Wird er angewinkelt, bleibt er oft auf halber Höhe also etwa brusthoch hängen und verharrt mitunter wie gelähmt in dieser Stellung, mit angewinkelter Hand, gleich einem karateparodierenden Pantomimen. Das Zifferblatt präsentierend wie die Eintrittskarte für die bessere Gesellschaft, unübersehbar und als unwiderlegbares Argument der Dazugehörigkeit zu eben dieser, in kindlicher Erwartung der Bewunderung und sich jedermann aufzwingend. Mitunter begehen Besessene die merkwürdigsten Dinge: So ist mir einer von ihnen noch recht gut im Gedächtnis, der mit einer Tudor, einem Rolex Zifferblatt und einem ebensolchen Armbandschloss bei einem Uhrmacher auftauchte, wohl in der infantilen Vorstellung, der Uhrmacher könne aus einer Tudor eine Rolex machen. Ein Anderer gar, brachte seine Sakkos zum Schneider und ließ die linken Ärmel kürzen!

Nur bei meinem Freund Uwe, bei dem war alles anders. Sein Bruder hatte ihm aus Singapur eine Rolex mitgebracht. Eine Seamaster, echt zwar, aber noch mit dem alten 1570-Werk. Dafür hat sie denn damals auch nur 700 Mark gekostet. Bei Uwe hatte sogar eine Rolex nichts zu lachen. Getreu dem Motto ‘wenn sie das nicht aushält, hätte sie keine Rolex werden dürfen, jedenfalls bei mir nicht‘, trägt er das gute Stück vom ersten Tage an bei allen Arbeiten. Auf dem Bau, beim Zementmischen genau so wie beim Mauern, er repariert damit seine Autos und wuselt auf diversen Schrottplätzen herum. Gleich am ersten Tag hatte er schon das Glas ruiniert. Darauf wurden etwa 60 DM für ein Neues fällig, was ihn dann immerhin wenigstens etwas vorsichtiger werden ließ. Diese Uhr hat wahrhaftig einiges mitmachen müssen. Einmal, da hatte er sie verlegt. Nach fast zweitägigem Suchen fand er sie merkwürdigerweise Tiefkühlfach wieder, wußte aber mit Stolz zu berichten, dass seine Uhr noch lief als er sie aus 23 Grad Minus auftaute. Ein anderes Mal klapperte Uwes Waschmaschine wie verrückt, als seine Kochwäsche nach dem Waschprozess geschleudert wurde. Auch das hat das gute Stück ohne erkennbare Schäden überlebt. Eigentlich sollte Uwes Uhr längst bei Rolex im Museum liegen, als meiststrapazierte Uhr der Welt oder so. Aber er gibt sie nicht her. Wenn mal wieder die Rotorachse platt ist weil ihm das Ding vom Dach fiel, dann ist er ganz krank bis er sie wieder am Arm hat. Dann sind sie wieder vereint, die beiden Unzertrennlichen. Selbstredend hat Uwe keine Frau, wie auch, die hätte den Sturz vom Dach bestimmt nicht so gut verkraftet. Aber am Besten ist es immer, wenn Uwe einem anderen Rolexträger begegnet, möglichst einem der eine ganz Neue hat. Eine die noch keinen, noch so kleinen Kratzer hat und die nachts in Watte gepackt im Geldschrank verschwindet, aus Furcht es könnte ein rolexgieriger Einbrecher kommen und ihm im Schlaf den Edelticker korrekt abziehen. Dann zeigt er voller Stolz seine vernarbte, kampferprobte Zwiebel und übersieht geflissentlich die weiße Nasenspitze seines Gegenübers. Ja, da weiß man dann endlich, warum Rolex solche Uhren baut! Uwe braucht weder eine Südpolexpedition, noch den Mariannengraben, Wenn er voller Verachtung für den Besitzerstolz seiner luxusuhrebesitzenden Mitmenschen mit dem Presslufthammer und seiner Rolex am Arm lostackert, ja, dann können die Konstrukteure schon ein wenig stolz sein! Und aus Dankbarkeit für das erwiesene Vertrauen, ließ sie ihn denn auch nie im Stich. Selbst als sie nach dem Dachsturz mit abgebrochener Rotorwelle traurig scheppernd am Arm klapperte, lief sie brav weiter. Freilich mußte sie in dieser Zeit von Hand aufgezogen werden, aber das hat ja ‚nur‘ knapp ein halbes Jahr gedauert. In letzter Zeit allerdings, mußte das Armband desöfteren repariert werden. Uwe weigert sich erfolgreich und standhaft, auch nur ein einziges Teil auswechseln zu lassen und er weiß und verlässtsich darauf: ich habe ein Laserschweißgerät. Das sei seine Uhr, die sei nun mal so und die bliebe so wie sie sei. Basta! Reparieren, ja. Aber nicht mehr. Und auf keinen Fall etwa vorhandene Schrammen beseitigen! Noch mal basta!

Langsam keimt in mir der Verdacht, dass Uwe irgendwie ein gestörtes Verhältnis zu seiner Uhr hat – aber mal Hand aufs Herz, welcher ganz normale Mensch hat denn schon so eine Uhr? Mechanisch mit Rotor, Feder und Unruh? Ein normaler Mensch trägt eine Quarzuhr, mit Rechner, Fotoapparat und Wetterkarte. Mit eingebautem Pulsmesser, Stoppuhr und Weltzeit. Und als Terminplaner kann man einige von ihnen auch noch einsetzen. Bald wird es welche geben, die als Dolmetscher verwendet werden können. Man spricht Deutsch hinein und es kommt russisch wieder heraus. Oder eine Funkuhr, die gibt es schon lange. Die schaltet sich selbst auf Sommer- oder Winterzeit um und berücksichtigt im Urlaub sogar die Zeitzonen. Ganz von selbst und natürlich mit Batterie. Alles andere ist doch nicht normal!

 



Quo vadis Faber aurifex

Na ja, die eierlegende Wollmilchsau ist ja eigentlich mein Wappentier. Nur ist es so, dass in den letzten Jahrzehnten die Situation anders geworden ist. Als Dienstleister für den Einzelhandel habe ich ja schon immer das volle Programm gefahren. Allerdings ist bei den Uhrmachern, die ja meine Kunden sind, der Sektor der mechanischen Billiguhren vollkommen weggebrochen. Statt der 15 Überholungen am Tag, macht der Uhrmacher heute Batterien raus und rein. Die paar mechanischen Werke die er heute noch bekommt (also ich meine jetzt gemessen an Früher, also in präquartziöser Zeit ;-) ), können ihn gar nicht auslasten. Außerdem sind Ersatzteile oft nicht zu bekommen.

 

Und so kommen all die tausende von Goldschmiedearbeitplätzen, die Rudolf Flume, Bego, Bullnheimer und wie sie alle heißen den Uhrmachern verkauft haben, zum Einsatz. Ergebnis: Collierketten und einfache Lötungen, sowie einfache Ringänderungen werden im Haus gemacht. So weit, so gut, aber es geht weiter. Durch den steigenden Kostendruck und fallende Umsätze, wurden die alten Werkstattverbindungen zu teuer, und so bekamen die Arbeitslosen, die Ehefrauen und auch so mancher Rentner mitunter ihre Chance. Aber die können ja nun auch nicht alles machen, und so erklärt es sich, dass in einer Werkstatt wie der meinen, der Schwierigkeitsgrad der vom Fachhandel angelieferten Arbeiten, ständig gestiegen ist. Da die Geschäfte durchhängen, wird einfach alles angenommen was die Kunden bringen. Unser Goldschmied macht das schon.

 

Die Frage ist bei uns also schon längst nicht mehr quo vadis, sondern viel grundsätzlicher. Wir bekommen keine entsprechend ausgebildeten Mitarbeiter mehr. Eine Fachkraft bei uns sollte z, B. folgende Gebiete beherrschen:

 

Silber: Hammerarbeiten, montieren großflächig angelegter Korpusware und deren Reparatur, solide Kenntnisse im Galvaniksektor, also Vorbehandlung unechter Ware, Versilbern, Gewichtsversilbern, Polieren, auch galvanisch, Lackieren u. Nachbehandlung der Ware. Montieren u. Polieren von Silberschmuck, anbringen von Dekorationen, Drehbankarbeiten, Laserschweißen, Fassen von Schmucksteinen in Silberzargen, sowie Krappenfassungen. Gusstechnik allgemein, also Herstellen von Wachs- Metall- oder Kunststoffmodellen, Herstellung der Gussformen in Gips, Sand oder Sepia, sowie Umsetzung und Fertigstellen der Güsse. Desweiteren, Kopierarbeiten allgemein, sowie der gesamte Reparaturbereich für Schmuck und Gegenstände aus Silber, auch Bestecke, Messerklingen befestigen usw. Herstellen von Silberlegierungen.

 

Gold: Reparaturbereich allgemein, Herstellen aller vorkommenden Einzelteile, wie Fassungen, Verschlüsse, Federn, Bewegungen usw, sowie deren fachgerechter Montage. Sehr solide Kenntnisse in der Behandlung u. Verarbeitung von Edel-u. Schmucksteinen Nachschleifen, polieren usw. Der gesamte Fasserbereich, also Zargen, Verschnitt, Krappen/Chatons, abgedeckte Fassungen, Restaurierung von altem Schmuck, herstellen von polierten, facettierten Unterlagen für Diamantrosen in abgedeckten Fassungen usw. Der komplette Juwelenbereich sollte beherrscht werden, deweiteren alle bekannten Gestaltungstechniken im Goldschmiedebereich, besonders für Gelb-u. Farbgolde. Feuerschweißtechniken im Edelmetallbereich, Herstellen und Verarbeiten von feuerverschweißten , mehrfarbigen Werkstoffen und ihre Verarbeitung,Oberflächentechnik incl. Galvanotechnik, Färben von Kupfer und Kupferlegierungen, Beherrschung von CAD-Software zur Herstellung von Wachsmodellen, maschinelle Herstellung von Wachsmodellen in CNC-Fräsmaschinen und Wachsplottern. Reparatur von Uhrgehäusen, Anfertigung von Glasrändern und/oder Gehäusedeckeln, Scharnieren usw. Anfertigung kompletter Uhrgehäuse und Schmuckdosen, Ausführung von Email-u. Nielloarbeiten, sowie deren Reparatur. Verarbeitung von Bandgeflechten, Kürzen, Verlängern, Anfertigung von Bandkopien zur Bandverlängerung usw.

 

Jetzt höre ich einfach mal auf, meine Finger tun schon weh ;-)

 

Es kommt nämlich noch sinngemäß dazu: der ganze Platinbereich, incl dem Vergießen der Werkstoffe, die mech. Oberflächenbehandlung, Gravieren mit Maschinen, Flachstich, Tauschieren, Treiben, Ziselieren und was weiß ich alles, es gibt ja so viel.

 

Wo findet der Betreiber einer Eierlegendenwollmilchsau-Goldschmiede geeignetes Personal? Wer soll oder kann derartige Überflieger überhaupt bezahlen??? Meine keineswegs vollständige Aufzählung macht jedoch das Eine vollkommen deutlich: Es gibt kaum geeignetes Personal für die Betriebe, und findet man Mitarbeiter, sind sie entweder nur in Teilbereichen einzusetzen, oder viel zu teuer, meist aber beides. Die berufliche Bandbreite, die Menge und die Schwierigkeit der fachlichen Inhalte ist auch zu groß, sie ist bestenfalls für jemand zu bewältigen, der einerseits großes Talent hat und andererseits auf einen normal gestalteten Arbeitstag verzichtet. Von Geld verdienen, brauchen wir in diesem Zusammenhang erst gar nicht zu reden. Man muss schon regelrecht besessen sein.

 

Quo vadis faber aurifex? Meiner Ansicht nach direkt in die Versenkung, wo andere Dinosaurier bereits verstauben, oder nur noch als Erinnerung vorhanden sind, denn wir entwickeln uns nicht weiter, sondern zurück. Das Schicksal eines mich immer noch faszinierenden, aber leider auch fossilen Berufes. Eines Berufes, der zwar der Älteste aller bekannten Metallberufe ist, der jedoch die Metamorphose in die Neuzeit bestenfalls als Hobby überleben wird, denn der Industriemoloch ist unersättlich. Ein Beruf, der eine Berufung für Besessene ist. Und das ist gleichzeitig seine große Chance!

 



Schnäppchen - Eine unschöne Erinnerung

behält Alex S. Der junge Mann hatte sich vor einigen Jahren aus dem Urlaub ein ID-Armband mitgebracht und sich damit einen lange gehegten Wunsch erfüllt. Natürlich hatte Alex sich vorher schon bei deutschen Juwelieren und auch bei mir nach solchen Bändern erkundigt. Aber, na ja, der Preis, der war halt doch für seine Verhältnisse viel zu hoch, denn er wollte etwas ganz Besonderes.

Die Kette, das sollte eine flache Panzerkette, aus möglichst leicht rötlichem Gold sein. Am besten 750-er Gold, die Farbe passte hervorragend zu seinem südländischen Äußeren. Obwohl er von deutschen Eltern abstammt, sieht Alex aus, wie ein Sizilianer mit arabischem Einschlag. Ja, und auf dem Namenschild, da hätte er gern seinen Namen in Weißgold gehabt, ganz und gar besetzt mit kleinen Brillanten. 6.500 bis 7.500 Mark hatte man ihm gesagt, ein Vermögen!

Und nun, im Urlaub, er hatte am Ort recht bald einen recht netten jungen Mann kennen gelernt, der einen Cousin hatte, der ein Goldwarengeschäft führte. Klein zwar, aber vollgestopft mit den herrlichsten Dingen. Alex war hin und weg. Natürlich kam die Sprache recht bald auf ein Armband und Alex beschrieb mit leuchtenden Augen, was er sich erträumte. Aber, so fügte er hinzu, so eine Menge Geld, nein, völlig ausgeschlossen. Erhan und sein Cousin, er hieß Mustafa, hatten volles Verständnis für ihn. Was nicht geht, das geht eben nicht!

Am Abend danach, sah er Erhan auf der Straße. Freudig kam er auf Alex zu und sprudelte los:“ Also, paß auf, isch geprochen mit Mustafa. Hat noch Kette von andere Kund, war zu viel. Ist ibrig. Ungefähr 15 Sentimetre. Kette ganz kut Gold 22 Karat! Wenn du wollen, Mustafa machen eine Sild mit Namen Alex, dann Länge für dich kut. Noch dazu ein klein Sloss und fertig dein Treum.

Alex verschlug es fast die Sprache. Nach einem Augenblick des Schweigens, fuhr Erhan fort:“ Weist du, isch klauben, Mustafa nix kut. Hat Problem. Weist du die Mann alle spielen, ja, na du weißt schon für Geld. Mustafa hat nix kut gespielen, hat jetzt Schuld. Und das muß bezahlen unbedingt! Du kannst ganz billig kaufen deine Treum, Mustafa brauchen Geld, machen Super Spezialpreis. Für disch, weil Freund von Erhan, also Freund von Familie.

Alex kaufte das Band mit Brillanten und Schriftzug durch Vermittlung seines Freundes Erhan, der ihn auch mit wertvollen Ratschlägen für die Kaufverhandlung versorgte, schließlich für ganze 2.850.- Mark. Geschenkt! Zwar mußte er fast zwei Tage warten, weil das Band ja schließlich angefertigt werden mußte, dann hatte er es. Endlich! Den Rest seines Urlaubes verbrachte er zwar annähernd mittellos, aber glücklich. Leider fiel auf dem Rückflug einer der Brillanten raus, aber das konnte seine Freude eigentlich nicht sonderlich beeinträchtigen.

So weit die Vorgeschichte, denn dadurch kam dieses Teil auf meinen Werktisch.


Alex beschrieb mir in den leuchtendsten Farben die Goldschmiede an senem Urlaubsort. Besser, billiger, schneller, was weiß ich noch. Vor allem seien wir Deutschen eben doch viel zu teuer. Ich gestehe ein, daß mich Alex in diesem Augenblick doch dein bißchen geärgert hat. Verstimmt nahm ich das Teil entgegen.

Was sollte das sein? 22 Karat? Im Leben nicht! Als altgedienter Goldschmied rieche ich förmlich den Feingehalt. Das war weniger, und zwar ganz bestimmt! Ein Blick auf die Steine. Nun hatte ich wirklich Mühe ernst zu bleiben. Zirkonias und dazu noch schlecht geschliffene! Teilweise kaputtgemacht bei dem Versuch sie zu fassen. Einer fehlte.

Ich erspare dem werten Leser weitere technische Einzelheiten. Nur so viel: Statt 22 Karat waren es magere 18, also 750er Gold, im Inneren der hohlen Glieder fand ich reichlich Kupferrückstände, die Alex als 22 karätiges Gold (916/000) gekauft hatte! Die kleinen Brillanten waren sämtlich Zirkonias, teilweise defekt, die Verarbeitung schlichtweg miserabel, und das Weißgold entpuppte sich als rhodiumbeschichtetes Gelbgold. Das gesamte Gewicht lag bei 44 Gramm (inclusive des Kupfers!).

Ein solches Teil hätte in Deutschland, und zwar in korrekter Qualität, etwa DM 2.400 gekostet, also ganz normal, ohne besondere Konditionen, dafür aber mit echten Brillanten. Mit dieser Erfahrung wird der Alex wohl leben müssen. Hin und wieder sehe ich ihn mal - das Armband hat er seither nicht mehr getragen.