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Erinnerungen an ein Wohnmobil


Text: Ulrich Wehpke

Mein Traum ist wahr geworden! Da steht es, stolz, groß und schön. Einen Minicar in der Garage und ein Motorboot huckepack. Eigentlich wollte ich ja ein Moped kaufen, so ein kleines, zum Zusammenklappen für meinen alten treuen Campingbus, denn so ein Wohnmobil ist doch eine ziemlich unbewegliche Angelegenheit wenn man am Urlaubsort erst einmal alles aufgebaut hat. Und zum Fahrradfahren bin ich einfach zu faul. Oben an der Oberbruchstraße hat einer Fahrräder und Mopeds, da hatte eine ältere Honda- Dax gesehen, und die will ich haben. Wolfram ist natürlich sofort hell wach und mit dabei. Welcher richtige Junge mit 17 fährt nicht auf eine Dax ab? Und so machen wir uns auf den Weg. Die 500 Meter gehen wir gleich querfeldein zu Fuß, denn es könnte ja sein, dass wir zu zweit auf einem Moped zurück kommen...

Der Zweiradladen ist weg, anscheinend aufgelöst. Nur ein Schild kündet noch von vergangener Geschäftigkeit: K. W. Zweiradfahrzeuge. Statt dessen steht auf dem dazugehörigen Parkplatz ein riesengroßes Wohnmobil mit einem Schild dran: Zu verkaufen. Und eine lange Liste des Zubehörs. Sie fängt mit A wie Aschenbecher an, eröffnet dem Interessierten beim Buchstaben G dass ein Gasgrill ebenfalls zur Ausrüstung gehört, beim Buchstaben M gibt es gar ein Motorboot mit 20-PS- Motor, und bei S ein Stromaggregat. Die absoluten Knüller aber, sind die Buchstaben K und H: Öffnet man die Heckklappe, überrascht einen tatsächlich ein leibhaftiger Kleinwagen! Und innen erst! Nicht so eine Einrichtung aus Spanplatten vom Baumarkt, nein, hier war ein Fachmann am Werk! Feinste Schreinerarbeit, Eichenholz, Messingbeschläge, gepolsterte und teuer bezogene Sitzbänke, ich sehe Mahagoni und in Wolframs Augen. Dort steht es geschrieben, unmissverständlich: Ebohhahh!!! In der luxuriösen Toilette sehe ich in einen Spiegel, sehe in meine Augen und sehe das Gleiche: Ebohhahh!!! Plötzlich ist auch W. da. Vollkommen unbemerkt muss er uns wohl schon eine ganze Zeit beobachtet haben. Ja, verkaufen muss er sein Herzblut, weil ein böser Nachbar ihn angezeigt hat. Dass er seinen Führerschein verloren hat, daran sei er ja noch selber schuld, aber dass er angezeigt worden ist, nur weil er den Wagen aus der Ausfahrt seines Geschäftsparkplatzes quer über die Straße auf seinen Hof gefahren hätte, weil er dort eine Grube habe und von unten an dem Wagen arbeiten wollte, denn man könne ja so ein Fahrzeug nicht einfach vergammeln lassen, das sei eine abgrundtiefe Gemeinheit gewesen. Den Führerschein könne er nun wohl für etliche Jahre vergessen, zumal der Doc auch noch 1,4 festgestellt hätte. Selbst gebaut hatte er das Prachtstück. Rein zufällig hat er ein ganzes Album mit Bildern aus der Bauphase dabei. Donnerwetter! Wir sind beeindruckt. Der ganze Aufbau aus Aluminium, isoliert mit Material, vorgesehen einmal für ein Tiefkühlhaus. W. hatte auch mal einen Isolierbetrieb und da seien diese hochwertigen Materialien mal übrig geblieben bei einem Projekt und hätten dann in der Ecke gestanden. So sei schließlich der Gedanke entstanden die Platten zu verwenden. Und da er sich ohnehin zur Ruhe setzen wollte, er hätte genug, wäre ihm der Gedanke gekommen, sich ein entsprechend großes, gutes Wohnmobil zu bauen und mit seiner Frau zunächst erst einmal auf Europa- Tournee zu gehen. Später hätte er dann gern noch Asien drangehängt. Aber nun sei er weg der Führerschein und so ein Auto wird vom Stehen nun mal auch nicht besser. Zu allem Überfluss muss seine Frau sich auch noch operieren lassen...

Wir sehen es ein, das Auto muss verkauft werden. Ein Moped ist zwar nicht drin, aber dafür ein Kleinwagen. Der macht doch auch ganz schön mobil, und für den Wasserspaß und heiße Tage gibt es ein Motorboot. Ich sehe mich schon in einer kleinen Bucht in der Ägäis. Wolfram hat offenbar ähnliche Gedanken, denn er stellt beiläufig fest: „Hm, da brauchen wir dann aber noch ein paar Benzinkanister“ Och, das sei kein Problem, er, W. hätte noch vier Stück, und ohne Boot könne er ohnehin nichts damit anfangen, sie gehörten dazu. OK, OK.

Eine Stunde später sieht uns die Oberbruchstraße statt zu zweit auf einem Moped, hoch oben auf dem Kutschbock eines hochbonforzinösen Wohnmobils und 45.000 Mark ärmer. Aber mit welch einem Gegenwert! Der Rest des Tages vergeht wie im Fluge. Straßenverkehrsamt Nummernschilder besorgen, ich brauche ja 4 Stück, noch eine Runde mit dem neuen Luxusgefährt, ja – und da war auch noch meine liebe Brigitte. Sie verhielt sich so, wie sich Frauen eben in solchen Fällen verhalten. Keine Spur von Begeisterung, das Klo müffelt! Der Fußboden knarrt und außerdem ist er viel zu tief. Das stimmt zwar, aber ich zumindest kann ohne weiteres aus den Fenstern sehen, einsfünfundfünfzig ist nun mal ziemlich kurz, zugegeben. Aber wir werden das noch ändern, notfalls legen wir den Fußboden eben etwas höher, dann knarrt er auch nicht mehr. In dieser Nacht liege ich im Bett und fahre Wohnmobil.

Noch in Krefeld

Nach der ersten Euphorie baue ich den Beifahrersitz aus. Meine liebe Brigitte hat entdeckt, dass dieser aus einem ausrangierten Fernsehsessel besteht, der auf einer runden Mittelstrebe ziemlich gakelig mit einigen Spackschräubchen notdürftig auf einer untergelegten Sperrholzplatte befestigt, keinen allzu soliden Eindruck macht. Ein Schleudersitz ins Paradies, meint Brigitte. Und ich finde, dass sie diesmal sogar Recht hat. Ich lasse also den drehbaren Fuß abtrennen und auf eine stabile Blechkiste schrauben, die dem Sitz einen vernünftigen Halt gibt. Zusätzlich bringe ich einen Sicherheitsgurt an, den ich seitlich mit langen Schrauben an der Karosse befestige. Die untere Befestigung bereitet mir allerdings eine herbe Erkenntnis. Das Sperrholz wurde wohl deshalb verwendet, weil der gesamte Boden des Führerhauses durchgerostet war. Den Sicherheitsgurt haltbar zu befestigen, das dürfte schwierig werden. Irgendwie schaffe ich aber auch das. Gewindestangen und Rohrstücke, manchmal wirklich Retter in der Not! Vorher war ich war mit dem Stuhl bei Fa. Kahles, einer Autosattlerei und wollte ihn umbauen lassen, aber die konnten angeblich aus Termingründen nicht. Kommentar des Meisters: „So was habe ich wirklich noch nie gesehen, da springt einem ja der Kitt aus der Brille. Und so was hat der TÜV abgenommen? Das ist doch nicht zu fassen!“ Ich sage ihm dass es die DEKRA war. Er verweist mich an eine Firma auf dem Dießemer Bruch. Da klappt es dann. Aber wie ich mit dem Ding ankomme, läuft die ganze Belegschaft zusammen, so was habe man noch nie gesehen. Aber sie bauen mir eine stabile Blechkiste, sogar mit Klappdeckel und solidem Verschluss. Darauf den abgetrennten Sitz mit seinem wunderschönen Plüschbezug.

Als nächstes stelle ich fest: Vorderer Trinkwassertank undicht, weiße Kalkablagerungen auf dem Auspufftopf deuten auf einen älteren Schaden hin (obwohl W. ausrücklich versichert hatte, dass das Auto rundherum topfit sei, es sei alles gemacht worden, vom Feinsten, für die Ewigkeit gebaut. Als Vergleich zog er die „Clou- Liner“ heran. Nur kosteten diese eben eine viertel Million, sein Auto hingegen sei zwar genau so gemacht und genau so gut, koste jedoch nur 45.000 Mark).

Gekauft wie besehen, Rekl. nicht möglich. Reparatur nicht möglich Tank muss undicht bleiben, verliert allerdings seinen gesamten Inhalt in ca 5 bis sechs Stunden. Dazu kommt, dass einem wirklich Jeder sagt dass das Auto tropft. Ich lese blankes Misstrauen in den Augen, als ich sage dass es sich um Trinkwasser handelt

Die Umstellhähne an der elektrischen Wasserpumpe sind beide undicht, beide Tankinhalte laufen durch die Hähne ins Innere des Gepäckraumes und von dort über undicht Stellen unter den Wagen. Hoffentlich läuft uns der Regen nicht genau so herein! Wir kaufen zwei neue Metallhähne und wechseln die vorhandenen Billig—Plastic—Hähne gegen diese aus. Die Montage ist wegen der vollkommen idiotisch eingebauten Armaturen fast unmöglich, man kommt nur durch ein ca. 20X20 cm großes Loch an die Leitungen, zudem sitzt die el. Wasserpumpe davor, so dass die Montage so gut wie unmöglich wird. Wolfram bringt es trotzdem zustande: Montagezeit ca. 10 Stunden.

 

Neuss:
  • Wir verlieren den Auspuff; Donnergetöse, erst mal zurück nach Krefeld.
  • Auspuff kaufen, Montieren. Zeitverlust: Ca. 7 Stunden, im Bauch eine
  • Mordswut auf W.. Schönes “Auto für die Ewigkeit gemacht“! Die
  • Toilette müffelt nicht nur, sondern die Kiste stinkt wie ein Jauchewagen, Brigitte hat untertrieben!

 

Wieder unterwegs in Richtung Griechenland, treffen in Altendiez Familie Bensberg, die schon lange ungeduldig wartet und müssen deren Gemecker ertragen. Wir wollen zusammen fahren und die Bensbergs warten nun schon fast einen ganzen Tag auf uns!

 

Weiterfahrt Autobahn Richtung Frankfurt. Camberger Berg:

Irgend ein Belag stinkt angebrannt. Bremsen können es nicht sein, bleibt nur noch die Kupplung! Ich schalte vorsichtshalber noch einen Gang herunter. Beim nächsten Schaltvorgang geht nichts mehr. Kupplung kaputt. Sage Bensbergs per Funk bescheid, fahren nach Camberg, aber Fehlanzeige, keine Werkstatt, müssen nach Frankfurt zu Mercedes. Kommen dort nach abenteuerlicher Fahrt auch gut an. Es ist 2 Uhr und 35 Minuten, als wir bei Mercedes auf dem Parkplatz eintreffen.

In der Nacht geht aus unerfindlichen Gründen die Alarmanlage an und lässt sich erst abstellen, indem man die Hupe abkneift. Alles ist wach, die Kinder schreien, zu allem Überfluss findet sich auch noch ein Streifenwagen mit schlechtgelaunter Besatzung ein! Hoffentlich fangen die nicht an das Auto zu untersuchen, aber ich habe Glück. Samstag: Wasser ist alle, die Kiste stinkt nach Kloake, meine Frau läuft fast Amok, Bensbergs sind allein weitergefahren klein Philipp heult, aber immerhin wird das Auto repariert. Die Daimler—Leute sind eigentlich ganz nett. Meister Zichowitz meint, das Auto sei eine Katastrophe. Von oben hui und von unten Schott. In der Grube sehe ich dann was er meint, sogar als Laie... Der Monteur flucht über die verbauten Kiste, die Mühle stinkt wie ein Jauchewagen, außerdem er kommt kaum an die Gestängeteile. W. hat auch dort zugeschlagen, ein Batteriekasten sitzt genau im Weg. Nächster Schock: Ich falle bald aufs Kreuz, dreitausend Mark a cto., den Rest wolle man über Krefeld abwickeln. Ich zahle zähneknirschend. Zeitverlust: 14 Stunden, Nerven fix und foxi.

Während der Montage habe ich etwas Zeit und entdecke an mehreren Stellen abgeplatzten Spachtelkitt und lockere Nieten. Wenn das so weiter geht, kommen wir nur noch mit dem blanken Chassis in Griechenland an. Habe aber vorsichtshalber eine Nietzange mitgenommen, und so werden die ersten Nieten ausgebohrt und neu eingezogen.

Wieder auf der BAB in Richtung Süden: Mit letzter Kraft und ruckelndem Motor erreichen wir die Tankstelle, Rasthaus zum Spessart. Genau auf dem Parkplatz gibt der Motor seinen Geist restlos auf, ich stehen mitten auf der Fahrbahn. Gott sei Dank ist die Straße abschüssig und ich kann das Auto rückwärts an den Straßenrand rollen lassen. Beim Versuch zu bremsen stelle ich fest, dass ohne laufenden Motor die Bremsluft nicht ausreicht um die Bremse zu betätigen, mit beiden Beinen stehe ich auf dem Pedal, nichts! Schließlich ziehe ich in meiner Not die Handbremse. Der Federblock funktioniert gottlob und die Räder kommen ruckartig zum Stillstand. Teller und Tassen kaputt, Kindergeheule, Brigitte tobt und ich nehme mir vor W. zu ermorden!

Diesmal ist der Kraftstofffilter restlos verstopft. Mit Erleichterung treffe ich diese Feststellung. Da ich Ersatz dabei habe, ist die Störung relativ schnell behoben. Der alte Filter ist völlig mit Rostpartikeln und einem schleimig—braunem Gelee zugesetzt. Mehr Probleme bereitet mir da schon der Zustand meiner Druckluftleitungen, denn ohne Druckluft keine Bremse. Jedenfalls nicht auf beiden Achsen. Ich muss den Druck laufend beachten, mit laufendem Motor steht er bei 6 bar. Das reich. Aber weniger darf es nicht werden. Beunruhigend ist auch, dass die Bremse bei abfallendem Druck nicht blockiert, wie sie das eigentlich müsste. Auf welche Weise mag dieses Fahrzeug wohl durch den TÜV gekommen sein? Nach einer Stunde geht es weiter. Vorher tanken wir noch mal Wasser. Der Tank rinnt jetzt wie ein Wasserhahn, es hat wohl keinen Zweck mehr noch mal Wasser einzufüllen, vielleicht kann man ihn in Griechenland doch noch reparieren, die Kameraden sind teilweise ganz gut drauf. -

Passau: Wir sind ohne weitere Zwischenfälle bis Passau gelangt, und verlassen die BAB zum tanken. Riesensauerei : Der Tankwart tankt auf mein Verlangen randvoll, denn ich will ohne Zwischentanken in Österreich bis nach Ungarn kommen, und nun plätschert der Treibstoff munter aus irgendeinem unzugänglichen Leck aus dem oberen Teil eines der beiden Tanks. In kürzester Zeit steht der Sprit fingerhoch, der Tankwart tobt. Schnell weg... Wir müssen durch das Stadtgebiet von Passau. Berufsverkehr, alles steht in den engen Gassen. Der Sprit läuft und läuft. Wenn uns jetzt ein Verkehrspolizist erwischt, dann wird es teuer. Andauernd hupt Jemand, oder ein Fußgänger schreit erbost, allmählich versiegt der Treibstoffstrom aber. Plötzlich, an einem Berg ein Hupkonzert, einer der Autofahrer ist ausgestiegen und macht uns darauf aufmerksam dass der Wagen Treibstoff verliert, will uns freundlicherweise zu einer Mercedeswerkstatt begleiten. Ich sage ihm, dass ich auf dem Weg zu eben dieser bin, worauf er mir sagt, dass ich in genau er falschen Richtung unterwegs bin. Also wende ich vorsichtshalber, denn ich riskiere sonst eine Anzeige und tue so als ob ich zur Werkstatt fahre. Wieder bin ich im Stadtgebiet Passau, stelle aber erfreut fest, dass nichts mehr ausläuft. Gott sei Dank! Wir laufen bei einem Supermarkt ein und Brigitte kommt tatsächlich mit frischer, loser Kuhmilch zurück. Dass es so etwas noch gibt, verwundert mich gewaltig. In Bayern scheinen die Uhren wirklich anders zu gehen, sympathisch anders. Mit frischen Brötchen, Milchkaffee und wieder erwachendem Optimismus, begeben wir uns erneut auf die Autobahn

Österreich passieren wir ohne jedes Problem. Jedenfalls bis einige Kilometer vor Wien. Ein gewaltiger Gewitterguss bringt etwas Kühlung, es ist doch schon recht warm hier. Bei dieser Gelegenheit stelle ich fest, dass mein 45.00,- teures Auto über keine Scheibenwaschanlage verfügt. Note 1 an die DEKRA! Ich hatte angehalten um den Fehler zu suchen, oder wenigstens die Scheibe vom Fliegenschmierakel zu befreien, aber es regnete mir draußen doch zu stark, so dass ich mich drinnen daran machte den vermeintlichen Fehler zu beheben. Wer beschreibt mein Erstaunen: Von der Scheibenwaschanlage existierte nur die eingebaute Düse an der Scheibe und ein Stück abgeschnittener Schlauch! Zu allem Überfluss klopft es an der Scheibe, draußen im Dunkel stehen trotz des Regens zwei Polizisten. Freundlicherweise lasse ich sie hereinkommen, da sie mir im Regen leid tun. Ich verstehe sie auch nicht richtig, mit Bayern tu ich mich schon schwer. Die Gesichter der beiden sprechen Bände, als sie das Innere meines Luxusgefährtes betreten. Einer der Beiden hält sich sogar die Nase zu und sagt etwas, von dem ich nur Landluft verstehe. Was dann kommt, ist geeignet meinen ohnehin nicht sehr ausgeprägten Glauben an die Notwendigkeit staatlicher Ordnungsgewalt restlos zu beseitigen. Ob ich denn nicht wüsste, dass in Österreich ein Nachtfahrverbot für LKW bestünde? Was, das sei kein LKW? Aber bittschön, da steht es doch, 6,5 Tonnen Gesamtgewicht. Ein LKW also. Ich erkläre ihm, dass in Deutschland derartige Fahrzeuge keine LKW´s seien, dass sie als Sonderfahrzeuge deklariert seien. Wie man was in Österreich deklariere, das müsse ich gefälligst der Östereichern überlassen. Ich merke, dass ich so nicht weiter komme und mache einen neuen Kanal auf: Ich sei ja nur auf der Durchreise und hätte auch nichts geladen, der Motor brauche also nicht schwer zu arbeiten. Das wirkt, wenn auch anders als ich mir das vorgestellt hatte. Ja, das sei schon richtig, deshalb ließen sie mich auch gegen eine Strafgeld von 1.000 Schillinge weiterfahren. Ich schlucke krampfhaft. Er sieht das und meint malziös: „ Also, wann ihane des net basst, - selbstverständlich können sie des ah dem Schnellrichter überlossn, der ist vielleicht sogar etwas billiger als die Bolizei. Dann miassn´s aber bis zum Dienstag woatn, der iss nur zwoamol in da Wochn do!“ Ich schlucke noch krampfhafter und zahle angesichts derart gut organisierter Wegelagerei die tausend Schillinge. Er rechnet mir den Betrag korrekt in DM um: 142,86. Mittlerweile hat es aufgehört zu regnen, als die beiden Staatsdiener vom Parkplatz fahren, reinige ich meine verdreckte Scheibe mit Spiritus und kann wieder sehen. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich weder einen Strafzettel, noch eine Quittung erhalten habe. Die Welt ist voller Gauner!

Ungarn: Auf einem Rastplatz fällt den Bensbergs, die wir an der Ungarischen Grenze getroffen haben, auf, dass etwas aus meinem Auto tropft. Beim Öffnen der Garagenklappe bleibt mir fast das Herz stehen: Unser gesamtes Gepäck steht unter Wasser. Durch den Regenguß in Österreich, hat sich der ganze Raum mit Wasser gefüllt. Das Wasser kam durch einen nach oben offenen Radkasten in den Wagen. Die Räder müssen hunderte von Litern hochgeschleudert haben, von denen ein guter Teil dann im Wagen landete und gleich wieder nach unten heraustropfte, allerdings wurde dabei alles durchnässt was in dem Raum untergebracht war, und das ist nicht wenig! Trocknen, - eine Unmenge an Straßendreck hat alles versaut, Bensbergs haben Gott sei Dank eine halbe Werkstatt dabei, darunter einen halben Quadratmeter Edelstahlblech und einen ganzen Karton Silikon- Dichtmasse. Ich profitiere davon, Bensbergs fahren wieder einmal vor, wir verabreden uns in Budapest...

Einen Tag später rollen wir wieder, jetzt mit dichtem Gepäckraum. Ich bin völlig am Ende. Es ist heiß. Mein rutinemäßiger Blick auf die Anzeigeinstrumente jagt mir einen Mordsschreck ein. Die Motortemperatur ist stark erhöht, 110 Grad. Als Ursache stellt sich eine aus einem Stück altem Leder geschnittene Deckeldichtung heraus. Außerdem hat der Kühler anscheinend auch noch ein kleines Loch. Ich schneide eine provisorische Dichtung aus einem Stück Autoschlauch. Nicht auszudenken wenn ich den Fehler nicht bemerkt hätte!

In Budapest treffen wir Bensbergs wieder, sie waren mittlerweile am Plattensee und haben sich die Stadt angesehen. Einen kurzen Eindruck wollen wir auch mitnehmen. Tjade Bensberg kann den Führer mimen. Dann mitten auf der Donaubrücke: Der Kraftstofffilter ist wieder einmal verstopft, die Kiste steht schon wieder! Hinter uns eine wild hupende Meute, an uns kommt keiner vorbei, die Brücke stammt noch aus der Donau- Monarchie, und mein Auto ist zweimeterundfünfzig breit. Ein Motorrad- Polizist bedeutet mir unmissverständlich, ich möge die Brücke sofort räumen, ich kann nicht. Bensberg fragt per Funk wo wir bleiben. Ich heule vor Erschöpfung und Wut. Es fehlt nur noch eine Kleinigkeit und der Polizist liegt in der Donau, aber irgendwie scheint er das gemerkt zu haben. Jedenfalls hört er auf zu palavern. Mittlerweile ist mir alles egal. Ich bin müde, habe alles satt und wechsele wieder einmal den Kraftstofffilter, der Treibstoff läuft mir bei jedem Handgriff den Arm hinunter und über Brust und Rücken, die Kiste ist erbärmlich heiß, dauernd verbrenne ich mich, bin eingehüllt in Diesel und den allgegenwärtigen Kloakengestank. Das Ganze mitten auf der Donaubrücke, sie ist alt und wunderschön mit grüjner Patina belegt, der Polizist bringt laut trillernd den völlig zusammengebrochenen Verkehr in wieder Gang. Ein Albtraum!

Endlich hat uns Griechenland! Filter wechseln ist nicht mehr möglich, ich habe den letzten verbraucht, aber ich habe den letzten aufgehoben und habe ihn bestmöglich gereinigt. So geht‘s dann doch noch mal. Saloniki ‚ Stavros, Jerissos, es scheint so, als ob die Qual ein Ende hat. Blauer Himmel, blaue See, tausendfältiges Aroma in der Luft, Hurrah, wir haben es doch noch geschafft! Nur noch ein kleines Stück schmaler Feldwege hoch über der Küste. Plötzlich ein Krach und wir rutschen fast von der Sandstraße. Der Wagen hängt stark nach rechts, die ganze Karosse ist abgesackt. Ich glaube zunächst dass die Straße unter dem rechten Vorderrad nachgegeben hat. Ein Blick in die Tiefe lässt eine leichte Gänsehaut aufkommen, die Straße, oder besser gesagt der Feldweg verläuft hoch oben am Berg und neben uns gähnt ein gewaltiger Abgrund. Handbremse anziehen, Wolfram ist schon draußen. Ich schimpfe über die schlechte Straße und überlege schon wie ich aus dem Loch herauskomme, da höre ich meinen Sohn: “Wetten dass die Straße in Ordnung ist?“ Mir schwant Schreckliches: Federbruch? Nein die Feder ist nicht gebrochen, aber etwas anderes, schier unglaubliches ist geschehen. Ein Federbolzen ist seitlich aus dem Federauge herausgerutscht! Die Feder dadurch entlastet, konnte den Wagen nicht mehr stützen, der demzufolge nach unten absackte. Jetzt brauche ich Hilfe. Die lässt auch nicht lange auf sich warten, hinter uns hält ein schwerer LKW. Ah, Germania, ja dort habe man auch einmal gearbeitet, bei Frankfurt in Wiesbaden.

Feder kaputt? Schlimm! Nein, doch nicht, ah, kein Problem! Der nette Grieche macht sich auf der Ladefläche seines mit Baumaterial beladenen LKW’s zu schaffen und kommt mit einigen Kantholz- Stücken zurück. Dann schafft er einen Wagenheber herbei, einen Fäustel, ein Ende dicken Draht, schließlich einen Vorschneider, wie er zum Trennen von Moniereisen verwendet wird. Und dann erlebe ich, was improvisieren auf Griechisch heißt: Das Chassis wird hochgebockt, Kanthölzer und Wagenheber ermöglichen dies, dann bindet der Mann das Federauge mit Draht an die Führung in welcher der Federbolzen einmal saß, d.h. einige etwa 5 bis 6 mm starken Drahtstücke welche er mit dem Vorschneider von seiner Ladung abgezwickt hatte werden durch das Auge gesteckt, als Ersatz für den verlorenen Bolzen. Die letzten Stücke schlägt er mit dem Hammer ein. Anschließend klopft er sie mit dem Fäustel auf beiden Seiten krumm, so dass sie nicht herausrutschen können. Das Unglaubliche ist für mich, dass der Wagen nach dem Ablassen des Wagenhebers tatsächlich gerade stehen bleibt. Bezahlung? Aber nein, man hilft sich doch schließlich. Wo wir denn hinwollten. Nach Deviliki? Ja das sei ihm gut bekannt, er wohne nur wenige Kilometer entfernt. Und wir verabreden uns zu einem Abendessen mit Retsina und Zyporo.

Wir fahren los, der freundliche Grieche bleibt hinter uns. Bis nach Deviliki. Später meint er dann: „Weißt du, das ist genau wie bei Kind, muss gucken ob gut schlafen“. Ja, so was gibt‘s auch noch. An diesem Abend trinken wir bis “gut schlafen“. Kali hypno.

Wir haben Zelte aufgebaut, denn der Wagen muss in eine Werkstatt. Einer meiner deutschen Kameraden, der seit 15 Jahren in Griechenland eine Fernsehwerkstatt betreibt und der mit einer Griechin verheiratet ist, weiß sofort Rat. Am Besten sei es, ich brächte den Wagen zu einem Bekannten von ihm, der sei der beste Mechaniker weit und breit; ratsam aber, mit dem Mann vorher zu sprechen. Also fahre ich mit dem Taxi die 65 km nach Stavros, spreche mit dem Mann, mache einen Termin und fahre ebenso wieder zurück. Einige Tage danach, ich rufe bei Krystos in Stavros an, die Teile sind aus Saloniki gekommen. Jetzt wird es spannend. Vorsichtig setze ich mei Gefährt in Gang und fahre ich angstvoll nach Stavros. Aber die Drähte halten, ich komme bei Krystos ohne die geringsten Schwierigkeiten an. Das Provisorium betrachtet er mit sichtlichem Nationalstolz als er die Geschichte hört. Ja, ein griechischer Lastwagenfahrer, so sagt er, kapituliert so schnell vor keinem kaputten Auto. Und was ein echter Grieche sei, der würde sogar dem Teufel seinen Schwanz mit Draht festbinden. Ganz Griechenland werde von Draht zusammengehalten und Draht das wichtigste Ding in Griechenland außer gutem Essen, Wein, Musik und schönen Frauen. Aha, so ist das also! Und nach meinen Erfahrungen kann ich ihm nur beipflichten. Am nächsten Tag sind beide Achsen repariert, sogar neue Stoßdämpfer sind drin, die Federaufhängungen sind allesamt neu, Stabilisatorbuchsen ersetzt, und ich bin weitere 1.500 Mark los.

Wieder bei den Zelten angekommen, berichtet mir mein Sohn folgendes: Der von W. mitgelieferte Bootsmotor hat einen Riss, offenbar bereits mehrfach mit Schrauben und Bandmaterial geflickt. Außerdem ist die Antriebs- Schraube angebrochen. Beides, ist vor dem Verkauf an mich mit Spachtel und Farbe übertüncht worden, so dass man es nicht sehen konnte. Das ebenfalls mitgelieferte Kleinstauto läuft statt der versprochenen 70 Stundenkilometer ganze 35, springt nicht oder nur äußerst zögerlich an, nimmt kein Gas an, so dass die Handhabung nur trainierten Eingeweihten möglich ist, hat dafür aber weder Hupe noch Scheibenwischer, verliert Getriebeöl in beängstigenden Mengen, lässt sich durch eine total verpfuschte Tankkonstruktion nicht ordentlich mit Treibstoff befüllen und der Anlasser geht auch nicht mehr. Nach der Reparatur, dazu musste der Anlasser ausgebaut und nach Stavros geschafft werden, tut es dafür das Licht nicht mehr.

Die im großen Fahrzeug eingebaute Solar- Ladeanlage für die Batterie hat entweder ihren Geist aufgegeben, oder nie funktioniert. Frau W. hatte in Krefeld eine neue Batterie einsetzen lassen, wohl in der Ansicht, dass die Batterie kaputt sei. Irgendwann war das Ding dann natürlich wieder leer. Ein freundlicher junger Grieche mit Sachkenntnis und einem richtig tollen Messgerät, hat den zur Anlage gehörigen Regelkasten auseinander genommen, einige unsachgemäße Lötverbindungen gelöst und neu verlötet, sowie aus der unergründlichen Seitentasche seines Motorrades einige winzige Bauteile gezaubert, mit denen er eine zeitlang experimentierte. Seit dieser Zeit läuft die Anlage, lädt bei Sonnenschein sogar mit ca.1.8 Ampère und schaltet ab, wenn die Batterie voll ist.

Einziger Ärger momentan: Der Lokus stinkt derartig, dass sich die anderen Platzbenutzer mokieren. Wir entleeren den Tank auf der örtlichen Müllhalde, spülen ihn und gehen nur noch außerhalb aufs Töpfchen. Zwar unbequem, aber jetzt ist Ruhe. Einige Tage später kann ich mir von Bekannten eine kleine chem. Toilette leihen, was das Problem erst einmal löst. Genau so lästig ist die Sache mit den Wassertanks. Es ist zwar ein Brunnen in der Nähe, aber er liefert Brackwasser. Außerdem beherbergt er Mückenlarven, so dass wir für Frischwasser in Flaschen ein kleines Vermögen ausgeben müssen. Unsere Bargeldreserven schrumpfen bedenklich.

Im Auto wird es von Tag zu Tag heißer. Durch die überaus schlechte Luftzirkulation kühlt er nicht mehr aus. Eine Sauna auf Rädern, wir schlafen draußen. Mittlerweile spottet der ganze Platz über mich und mein Superauto.

Wir wollen einkaufen, aber der Wagen springt nicht an. Das Mini- Auto hat einen Platten und ein Ersatzrad existiert nicht. Himmel, wo hab ich beim Kauf nur meine Augen gehabt? Das Relais, welches die beiden 12 v- Batterien hintereinander schaltet, damit der Anlasser 24 Volt bekommt, ist kaputt. Es sitzt völlig verbaut, man kommt nur schwer heran, im Auto herrschen sage und schreibe 47 Grad Celsius. Ich bin bestimmt hart im Nehmen, aber das geht nun wirklich bis an den Rand meiner Kräfte. Ich koche im eigenen Saft und bekomme die ersten ernsthaften Probleme mit meinem Kreislauf. Das Relais ist ein Schrotthaufen, aber ich kriege es provisorisch wieder hin. Wir werden künftig sparsam starten müssen. Später kann ich es in Jerissos ersetzen.

So fahren wir einen Tag später einkaufen. Unterwegs fällt meiner Frau auf, dass der eingebaute Toilettenteil des Wagens, eine Art Schrank der die Toilette von dem übrigen Raum abteilt, beängstigend in Bewegung ist. Ich sehe nach: Da muss ganz dringend auch etwas geschehen, sonst fällt der ganze Kram auseinander. Aufspringende Türen und Schubladen haben wir durch Einbau von Schlössern unter Kontrolle gebracht, aber die Probleme sitzen tiefer. Übrigens ringeln sich an den Fenstern die angepfuschten Rahmungen derselben ab, die müssen auch einmal ordentlich befestigt werden.

Einige Tage später wollen wir nach Arnea fahren, um einige Einkäufe zu tätigen.

Neue Überraschung: Das Auto hat von W. ein Busgetriebe in der Hinterachse erhalten, womit er das Fahrzeug schneller zu machen gedachte. Die Quittung bekomme ich auf dieser Fahrt. Ein Berg vor mir, Steigung ca 25%, es geht sehr steil bergauf und mein Auto verhungert am Berg. Es bleibt einfach stehen, weil die Getriebeübersetzung nicht mehr stimmt! Anfahren unmöglich, wenden unmöglich, hinter mir eine Autoschlange mit Leuten die ohnehin schon lange über mich fluchen weil sie nicht vorbei kommen, und ich —muss r ü c k w ä r t s den ganzen Berg wieder runter! ! ! Wenn ich nach Hause komme, werde ich den W. erwürgen! Ganz bestimmt sogar!!!

 

Einige “Kleinigkeiten“:

Das Auto verbraucht statt der von W. angegebenen 12 l auf 100 Km 21 l und der Ölverbrauch ist auch drei mal so hoch wie von ihm angegeben; 3 l auf 100 Km bei niedriger Drehzahl. Fährt man etwas zügiger, oder muss durch bergiges Gelände, werden es leicht 5 bis 7 Liter Öl auf 100 Km! Im Alkhoven kann keiner schlafen, denn der Boden hängt nach kurzer Zeit derartig durch, dass die Gefahr besteht dass der Schläfer mitsamt der Matratze auf dem Fahrer, bzw. Beifahrersitz landet. Auch existiert dort kein Fenster, so dass sich eine Benutzung des Bettes schon wegen der mangelnden Luft verbietet. Der Abwassertank für das Toilettenraum- Waschbecken ist locker, oder hat sich gelöst, Wasser läuft daneben, sammelt sich im Gepäckraum. Der Wandschrank in der Toilette hat zwei kaputte Türen, so dass es nurmehr ein Regal ist, wir haben vor Antritt der Fahrt die Scharniere in handwerklicher Arbeit erneuert, damit der Schrank überhaupt brauchbar war. W. hatte ihn ganz dezent zugeklebt, so dass der Schaden nicht zu sehen war. Die Steckdose im Schrank ist falsch angeschlossen, liefert keinen Strom. Der Gastank hat keine TÜV- Papiere und ist total verrostet, ein wirkliches Prachtstück, der Kühlschrank ist nicht an 12 Volt angeschlossen, Benutzung Während der Fahrt somit nur verbotswidrig mit Gas möglich, das 220 V Netz fehlt völlig und der teuer mitgelieferte Generator der Marke “MASE“ hat einen Lagerschaden, ebenfalls Schrott. Am Fahrerfenster fehlt der Griff, auch ist es nur mit Gewalt zu verschieben, daher ist wohl der Griff abgebrochen, es regnet bei Schlagregen rein, Der Schieber für die Fahrerhausheizung lässt sich nicht schließen, so dass die Heizung immer läuft, der Ventilator in der Heizung ist kaputt, wir haben ihn provisorisch zum Laufen gebracht und den Kühlwasserschlauch mit einer Plastiktüte aufgesetzt. Nun läuft kein Wasser mehr durch den Herizungskühler und wir bekommen etwas frische Luft. Das Handschuhfach klemmt durch den Umbau von W. und lässt sich nur mit Gewalt öffnen und schließen, die Gummipolster der scharfen Kanten fallen ständig von alleine ab, der Fahrtenschreiber ist defekt, d.h. die Warnlampen leuchten nur wann sie wollen, am Radio ist das Kassettenteil kaputt, nach wenigen Minuten kommt meist nur noch verzerrter Lärm aus der Lautsprechern, die beiden Kanäle des Gerätes arbeiten auch nicht einwandfrei. Das Masseband vom Motor ist kaputt, die Batterie-Massekabel sind defekt, das Blinkerrelais tut es nur zeitweise, der Warnblinker ebenso, die beiden Halslager der Lenksäule sind ausgeschlagen, der Lenkungsdämpfer ist völlig kaputt- keinerlei Funktion mehr, bei geöffnetem Fenster bläst kochend heiße Luft unter dem Fahrersitz heraus, das Garagenschloss ist völlig verbogen, wir haben es prov. hergerichtet muss aber ersetzt werden, und der Lokus bläst beim Fahren aus dem Fäkalientank derartig raus, dass eine Hühnerfeder emporgeblasen wird! Das sorgt für Landluft! Die Reparatur der Tanks ist nur dann möglich, wenn der gesamte Flurboden des Fahrzeuges entfernt wird, dazu müssen die Möbel und die komplette Standheizung, wobei es sich hierbei um eine Fußbodenheizung handelt, ausgebaut werden! Die Hinterräder lassen sich mit Bordmitteln nicht wechseln, da die entsprechenden Ausschnitte in der Karosse zu klein sind. Wohl damit man nicht unter das Fahrzeug sehen kann. Die Reifen streifen in den Radkästen so eng sind diese angelegt. Obwohl der Wagen hochgebockt wurde, konnten die Räder nach dem Lösen der Schrauben nicht heraus gezogen werden. Radkreuz und Wagenheber fehlen völlig. Im Kühlschrank sind die Fächer teilweise kaputt, so dass die volle Stapelkapazität nicht genutzt werden kann, es fallen die Sachen beim Öffnen der Tür heraus.

 

Die Heimfahrt

verlief über alle Maßen ereignislos. Mit zwei kleinen Ausnahmen: Als Erstes ging der Motor kaputt, genauer gesagt die Einspritzanlage. Freundlicherweise genau bei Mercedes vor der Tür. Kosten 1.250 Mark, Zeitverlust ein halber Tag. Solche Kleinigkeiten regen mich nicht mehr auf, ich will nur noch nach Hause. Wir sind in Österreich. Es knallt urplötzlich wie eine Kanone: Ein Innenreifen auf der Hinterachse ist geplatzt! Bei dem Reifen handelt es sich keinesfalls um einen neuen Reifen, wie W. angegeben hatte, sondern es ist ein echter Schrottreifen, der völlig porös ist. Ich betrachte es als ein kleines Wunder, dass er die Fahrt bis nach Österreich überstanden hat. Der Halunke hatte beide Innenreifen der Hinterachse vom Schrottplatz bezogen, so dass der Zustand dieser Reifen beim einfachen Betrachten nicht bemerkt werden konnte. Der andere Reifen verreckte vor Nürnberg. Da der Ersatzreifen ebenso aussah wie seine verblichenen Genossen, habe ich in Nürnberg 3 Reifen kaufen müssen. Kostenpunkt noch einmal 1.350,- DM

Nach dreieinhalb Wochen hat uns nun Krefeld wieder. Unseren wunderschönen Camper kann ich nur noch mit Hassgefühlen betrachten. Immerhin habe ich mir vorgenommen ihn zu behalten, denn einen Käufer find ich für diesen Schrotthaufen nicht. Außerdem möchte ich niemand betrügen. Aber mit W. werde ich ans Gericht gehen.

 

Nachtrag:

Den Prozess habe ich verloren. Die Richter meinten gelangweilt, gekauft wie besehen sei nun mal so, außerdem hätte ich ja nicht so blauäugig kaufen brauchen. Wahrscheinlich haben sie recht. Erwürgt habe ich ihn auch nicht, den W. , er ist von allein gestorben. Das Fahrzeug habe ich noch über 12 Jahre behalten. Allerdings habe ich im zweiten Jahr einen neuen Motor einbauen müssen, der alte war vollkommen aufgebraucht. Meine Recherchen haben ergeben: W. hatte das Fahrzeug bei einer Autoverwertung erworben. Ursprünglich ein Pritschenwagen, war dieser bis zu seiner Außerdienststellung im Baustellenverkehr eingesetzt worden. Im letzten Jahr wurden keinerlei Wartungs-oder Reparaturarbeiten mehr durchgeführt und schließlich verschrottet. Danach wurde das Fahrzeug von W. zum Wohnmobil umgebaut. Die Arbeiten wurden teilweise von Fachleuten ausgeführt, größtenteils jedoch von ihm selbst gemacht. Eine Weltreise war mit dem Fahrzeug nie beabsichtigt. Das haben verschiedene Leute gesagt, die es wissen müssen. Es diente einzig und allein dem Dummenfang und es hat diese Aufgabe auf hervorragende Weise erfüllt. Bei mir.

Dennoch: Irgendwie ist mir die Kiste im Laufe der Jahre doch ans Herz gewachsen, zumal sie ab dem dritten Jahr nie wieder irgend welchen Ärger gemacht hat. Eines Tages habe ich das Wohnmobil abgegeben, auch weil es uns zu groß geworden war. Ich hatte einfach keine Lust mehr. Allerdings habe ich ziemlich schnell eingesehen, dass es „ohne“ auch nicht geht. Ich fühlte mich wie amputiert. Ein Jahr danach habe ich wieder ein Wohnmobil, kleiner zwar, aber ich habe wieder eins. Und ich fühle mich wieder viel besser.

 

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